Schöpfung & UrzeitHintergrundgut belegt
Die Achtheit von Hermopolis
griechisch Ogdoas · ägyptisch Ḫmnjw
Vier Urgötterpaare, die den Zustand vor der Schöpfung beschreiben: Urwasser, Unbegrenztheit, Finsternis und Verborgenheit.
- Zuständig für
- Präexistenz, Urhügel, Kosmogonie
- Bezeugt
- Mittleres Reich bis Römerzeit; Vorstufen im Alten Reich
- Kultorte
- Hermopolis Magna (Chemenu, „Achtstadt“), Medinet Habu (Grabkult der Achtheit)
- Familie
- Paare: Nun/Naunet · Heh/Hauhet · Kek/Kauket · Amun/Amaunet
Erzeugnis: das Urei bzw. der Lotos, aus dem die Sonne aufsteigt
Erscheinung
Die vier Götter froschköpfig, die vier Göttinnen schlangenköpfig — Tiere des Schlamms und des feuchten Uferlands.
Der Gedanke dahinter
Die Achtheit beschreibt nicht Götter, die etwas tun, sondern Eigenschaften des Nichts. Nun/Naunet = das Wasser; Heh/Hauhet = die Grenzenlosigkeit oder unendliche Ausdehnung; Kek/Kauket = die Finsternis; Amun/Amaunet = das Verborgene, in älteren Fassungen teils Nia/Niat oder Tenem/Tenemet = das Ungerichtete. Erst deren Zusammenwirken erzeugt den Urhügel.
Zwei Schöpfungsbilder
Aus dem Zusammenspiel entsteht entweder das Urei, aus dem der Sonnengott schlüpft, oder der Urlotos, der sich am ersten Morgen öffnet und das Sonnenkind freigibt. Beide Bilder blieben nebeneinander gültig; die ägyptische Theologie hat konkurrierende Erklärungen nicht ausgeschieden, sondern gesammelt.
Woher wir das wissen — und woher nicht
Die hermopolitanische Lehre ist ausgerechnet in Hermopolis kaum bezeugt. Aus der Stadt selbst gibt es nur wenige Quellen, und es fehlt ihr das, was Memphis mit dem Schabaka-Stein besitzt: ein großes theologisches Grunddokument, das den eigenen Schöpfungsbericht ausbreitet.
Was wir über die Achtheit wissen, stammt weit überwiegend aus Theben. Dort erscheint sie in Texten spätestens seit der 25. Dynastie, und die thebanischen Tempel der Spätzeit und der Ptolemäerzeit sind so gut erhalten, dass ihre Fassung das Bild bestimmt. Wer „die Kosmogonie von Hermopolis“ liest, liest meistens eine thebanische Wiedergabe davon.
Nachleben
Als Amun in Theben zum Reichsgott aufstieg, wurde sein Platz in der Achtheit theologisch wertvoll: Er war damit älter als die Schöpfung selbst.
Die thebanische Theologie ging aber noch einen Schritt weiter, und der kippt das Verhältnis. Amun-Re bleibt dort nicht Mitglied der Achtheit, sondern wird zu ihrem Erzeuger: mit Nun gleichgesetzt, „der Große, der am Anfang entstand“, Vater der acht Götter und Göttinnen — und über sie auch Vater des Sonnengottes. Ein Beiname fasst das zusammen: Er ist der, „der die Bauenden baute und die Bildenden bildete“. In dieser Rolle wird er in mehreren Inschriften mit Ptah-Tatenen gleichgesetzt.
Auch das Ergebnis der Vereinigung fällt je nach Fassung anders aus: Meist steigt Re aus dem Lotos auf, in thebanisch geprägten Fassungen dagegen Amun in Stiergestalt.
In der Spätzeit galten die acht als verstorbene Urgötter mit einem Grabkult im Westen Thebens.
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