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Netjeru

Nachschlagewerk zu den Göttern und Mythen des alten Ägypten — 134 Einträge, mit Quellen und Beleglage.

Schöpfung & UrzeitHintergrundgut belegt

Die Achtheit von Hermopolis

griechisch Ogdoas · ägyptisch Ḫmnjw

Vier Urgötterpaare, die den Zustand vor der Schöpfung beschreiben: Urwasser, Unbegrenztheit, Finsternis und Verborgenheit.

ḪmnjwUmschrift
Zuständig für
Präexistenz, Urhügel, Kosmogonie
Bezeugt
Mittleres Reich bis Römerzeit; Vorstufen im Alten Reich
Kultorte
Hermopolis Magna (Chemenu, „Achtstadt“), Medinet Habu (Grabkult der Achtheit)
Familie
Paare: Nun/Naunet · Heh/Hauhet · Kek/Kauket · Amun/Amaunet
Erzeugnis: das Urei bzw. der Lotos, aus dem die Sonne aufsteigt

Erscheinung

Die vier Götter froschköpfig, die vier Göttinnen schlangenköpfig — Tiere des Schlamms und des feuchten Uferlands.

Der Gedanke dahinter

Die Achtheit beschreibt nicht Götter, die etwas tun, sondern Eigenschaften des Nichts. Nun/Naunet = das Wasser; Heh/Hauhet = die Grenzenlosigkeit oder unendliche Ausdehnung; Kek/Kauket = die Finsternis; Amun/Amaunet = das Verborgene, in älteren Fassungen teils Nia/Niat oder Tenem/Tenemet = das Ungerichtete. Erst deren Zusammenwirken erzeugt den Urhügel.

Zwei Schöpfungsbilder

Aus dem Zusammenspiel entsteht entweder das Urei, aus dem der Sonnengott schlüpft, oder der Urlotos, der sich am ersten Morgen öffnet und das Sonnenkind freigibt. Beide Bilder blieben nebeneinander gültig; die ägyptische Theologie hat konkurrierende Erklärungen nicht ausgeschieden, sondern gesammelt.

Nachleben

Als Amun in Theben zum Reichsgott aufstieg, wurde sein Platz in der Achtheit theologisch wertvoll: Er war damit älter als die Schöpfung selbst. In der Spätzeit galten die acht als verstorbene Urgötter mit einem Grabkult im Westen Thebens.

Schöpfung & UrzeitHintergrund