Ort · Mittelägyptenmittelmäßig belegt
Qau el-Kebir (Tjebu)
ṮbwAntaiopolisheute: Qau el-Kebir
Hauptort des 10. oberägyptischen Gaus — mit drei der größten Privatgräber des Mittleren Reichs und einem Tempel, den der Nil geholt hat.
- Zeitraum
- Altes Reich bis Römerzeit
- Region
- Mittelägypten
- Gau
- 10. oberägyptischer Gau
- Hauptgottheiten
- Nemti (Nemtiui)
- Bauten
- Ptolemäischer Tempel (zerstört) · Drei Felsgräber der Gaufürsten des Mittleren Reichs · Wüstenfriedhöfe östlich der Stadt
Drei Namen, ein Gott
Der Ort heißt ägyptisch Ṯbw (Tjebu), griechisch Antaiopolis und heute Qau el-Kebir. Er war die Hauptstadt des 10. oberägyptischen Gaus in Mittelägypten, und seine Hauptgottheit war Nemtiui.
Zur Gauzahl gehört ein Vorbehalt. Der Eintrag zu Nemti führt als Kultorte den „12. und 18. oberägyptischen Gau (Antaiopolis, Deir el-Gabrawi)“; Grajetzki nennt Antaiopolis dagegen den Hauptort des 10. Gaus. Die Angaben widersprechen sich, und dieser Artikel folgt Grajetzki. Wer die Stelle braucht, sollte sie eigens prüfen — Gauzählungen weichen je nach Liste und Epoche voneinander ab.
Der Tempel, den der Fluss geholt hat
Anfang des 19. Jahrhunderts standen noch erhebliche Teile eines ptolemäischen Tempels. Sie sind zerstört — nicht durch Steinraub oder Umnutzung, sondern durch eine Verlagerung des Nilbetts.
Das ist eine eigene Kategorie von Verlust. Bei Esna-Nord wurde ein Tempel zur Brücke, in Philae zur Kirche, in Athribis trugen Düngergräber die Lehmziegel ab. Hier hat schlicht der Fluss seinen Lauf geändert.
Gräber statt Stadt
Was den Ort trägt, sind die Wüstenfriedhöfe östlich der Stadt. Sie enthalten Gräber aus fast allen Epochen der ägyptischen Geschichte.
Besonders gut ausgestattet sind die der Ersten Zwischenzeit — und damit eine wichtige Quelle für die Bestattungssitten dieser Zeit in einer Provinzstadt, nicht in der Residenz.
Die drei großen Felsgräber der Gaufürsten des Mittleren Reichs gehören zu den größten Privatgräbern, die im Mittleren Reich überhaupt gebaut wurden. Ihre Zerstörung hat aber einen Preis: Datierung und Reihenfolge der Gaufürsten innerhalb der 12. Dynastie bleiben ungeklärt.
Warum die Gräber so weit draußen liegen
Die Fürstengräber stehen rund drei Kilometer nördlich der antiken Stadt an den Klippen der Wüstenstufe. Grajetzki nennt zwei Erklärungen nebeneinander: Der Abstand könnte dem Prestige gedient haben — und es ist zugleich die nächste Stelle im Umkreis, an der die Hochwüste nah an das Fruchtland herantritt.
Beides schließt sich nicht aus, und der Fall zeigt, wie schwer sich Absicht und Geländezwang bei einer Grablage trennen lassen.