Haus, Geburt & AlltagTotenreich & OsiriskreisPersonifikationendünn belegt
Tait und Hedjhotep
Göttin und Gott des Webens; zuständig für Kleidung, Tempelstoffe und die Mumienbinden.
- Zuständig für
- Weberei, Textil, Mumienbinden
- Bezeugt
- Pyramidentexte bis Spätzeit
- Kultorte
- kein eigener Tempel
- Familie
- Nähe: Neith als Weberin
Erscheinung
Tait als Frau mit Stoffstreifen; Hedjhotep als Mann mit Webergerät — beide sehr selten dargestellt.
Warum Weben wichtig war
Leinen war in Ägypten Zahlungsmittel, Statussymbol und Ritualbedarf zugleich. Ein einziger Mumienwickel konnte hunderte Quadratmeter Stoff verbrauchen. Entsprechend gab es Gottheiten dafür: Tait webt die Binden, die den Toten zusammenhalten, und die Vorhänge, die das Allerheiligste verhüllen. Hedjhotep, „der weiß und zufrieden ist“, erscheint vor allem in Tempellisten. Beide sind Beispiele für Funktionsgottheiten mit dünner Beleglage, aber klarer Zuständigkeit.
Der Stoff ist ihre Umarmung
Am ptolemäischen Portal von Esna steht eine Szene „Die Kleider darbringen“, und ihr Spruch macht aus dem Textil einen Körperkontakt:
Nimm dir das Gotteskleid, um deinen Leib zu bekleiden — die beiden Arme der Tait sind auf deinem Fleisch.
Das ist keine Metapher für Schutz im Allgemeinen. Wer das Kleid trägt, wird von der Göttin selbst gehalten; der Stoff ist der Arm.
Und der König ist ihr Sohn
Die Einordnung als bloße Funktionsgottheiten greift zu kurz — in Dendera treten die beiden als Eltern auf. In einer Szene, in der der König parfümierten Stoff darbringt, heißt er ausdrücklich „Sohn des Hedjhotep und der Tait“, an anderer Stelle „von Tait gezeugt“.
Der Sinn ist der einer Filiation nach Zuständigkeit: Wer Stoff opfert, tut es als Kind derer, die Stoff hervorbringen. Das Weberpaar bekommt damit im Ritual eine Stellung, die seine dünne Beleglage nicht vermuten lässt. Als Gegengabe reicht Hathor dem König das sšd-Band aus Elektron — ein Stirnband mit Uräus, das sonst zur Krönung gehört.
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