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Netjeru

Nachschlagewerk zum alten Ägypten: Götter, Orte, Objekte und Zeit — 201 Einträge, mit Quellen und Beleglage.

Lokal- & TiergötterNil, Ernte & Fruchtbarkeitmittelmäßig belegt

Banebdjedet

griechisch Mendes · ägyptisch Bꜣ-nb-Ḏdt

Der „Ba, Herr von Mendes“ — Widdergott des Deltas, in dem sich die Seelen von vier großen Göttern vereinen.

Bꜣ-nb-ḎdtUmschrift
Kleine stehende Figur aus grün glasierter Fayence vor einem dunklen, nach unten heller werdenden Hintergrund. Der Körper ist menschlich, mit angelegten Armen und kurzem, senkrecht gefälteltem Schurz; die Beine stehen leicht versetzt auf einer rechteckigen Bodenplatte. Auf den Schultern sitzen mehrere Widderköpfe nebeneinander, deren Hörner waagerecht zur Seite gedreht sind — einer blickt nach vorn, weitere ragen nach links und rechts heraus. Darüber erhebt sich ein hoher Aufsatz aus zwei schmalen, längs gestreiften Federn mit einem runden Knauf dazwischen. Die Glasur ist ungleichmäßig und von zahlreichen dunklen Einsprengseln durchsetzt.

Das Metropolitan Museum führt das Stück als „probably Khnum“. Der vierköpfige Widder wird für beide Götter beansprucht — für Banebdjedet als Träger der vier Ba-Seelen, für Chnum als Chnum-Re. Eine Beischrift, die entscheiden würde, hat die Figur nicht.

Zuständig für
Zeugungskraft, Widder, Vereinigung der Götter
Bezeugt
Altes Reich bis Römerzeit
Kultorte
Mendes (Djedet, Tell el-Ruba) im Delta
Familie
Gefährtin: Hatmehit
Sohn: Harpokrates von Mendes

Erscheinung

Widder mit waagerechten Hörnern oder widderköpfiger Mann; als vierköpfiger Widder mit vier Ba-Seelen.

Vier Seelen in einem Tier

Die Theologie von Mendes deutet den Widder als Träger der Ba-Seelen von Re, Schu, Geb und Osiris — vier Generationen in einem Körper. Das Wort bꜣ bedeutet zugleich „Seele/Wirkmacht“ und klingt an das Wort für Widder an, was die Verbindung stiftete.

Die Theologie steht als Bauwerk da

Die Vierzahl blieb nicht Lehre, sie wurde gebaut. Amasis ließ in der 26. Dynastie den Tempel von Mendes erneuern und stellte darin vier monolithische Naoi auf — je einen für Schu, Geb, Re und Osiris, also je einen für einen der vier Bas.

Ein Naos aus einem einzigen Granitblock ist ein enormer Aufwand; hier viermal, für eine Aussage, die sich sonst nur in Texten findet. Einer davon steht heute noch, auf freiem Feld über der Grabungsfläche — der Rest des Tempels ist verschwunden.

Der Ort war in der Spätzeit gewichtiger, als der heutige Zustand vermuten lässt. Das Amt des Hohenpriesters des Banebdjedet gehörte zu den Titeln, die sich lokale Machthaber der Dritten Zwischenzeit zulegten — wie in Memphis der des Ptah-Priesters. Und wie in Tanis und Sais wurde in Mendes das Königsgrab innerhalb der Temenosmauer angelegt: Nepherites I. aus der 29. Dynastie liegt dort.

Warum im Delta anders bestattet wurde: Es fehlt der Gebel, der Wüstenrand, an dem im Niltal die Gräber liegen. Wo kein Wüstenrand in der Nähe ist, rückt das Grab in den Tempelbezirk.

Im Horus-Seth-Streit

Als die Neunheit nicht weiterkommt, ist es Banebdjedet, der vorschlägt, Neith um ein Gutachten zu bitten. Er tritt dort als besonnener älterer Gott auf — eine Rolle, die zu seinem Alter passt.

Der heilige Bock

In Mendes hielt man einen lebenden Widder; Herodot berichtet mit sichtbarem Befremden von Kultpraktiken dort. Die granitenen Sarkophage der heiligen Widder sind noch erhalten. Der griechische Name des Ortes, Mendes, geht auf den Gottesnamen zurück.

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