Königtum, Krieg & SchutzLokal- & Tiergötterdünn belegt
Menhit
Löwengöttin von Esna, „die Schlachtende“, Gefährtin des Chnum.
- Zuständig für
- Krieg, Schutz der Grenze
- Bezeugt
- Neues Reich bis Römerzeit
- Kultorte
- Esna, Nubien
- Familie
- Gemahl: Chnum
Sohn: Heka
Erscheinung
Löwenköpfige Frau mit Sonnenscheibe und Uräus.
Zur Person
Menhit kommt fast nur in Esna vor; außerhalb ist die Beleglage gering. Der Name lässt sich als „die Schlachtende“ oder „die Fest-Stehende“ deuten.
Als „austauschbare Löwengöttin“ wird sie damit aber falsch beschrieben — in Esna hat sie eine sehr bestimmte Funktion, und sie ist keine eigenständige Trias-Ergänzung, sondern ein Zustand.
Nicht eine Göttin, sondern ein Zorn
Die Theologie von Esna gibt beiden Hauptgottheiten des Tempels eine Familie. Chnum ist mit Nebtu verheiratet, ihr Kind ist der Gott Heka.
Nebtu gilt als eigensinnig und jähzornig. Und wenn sie zornig wird, nimmt sie Gestalt und Wesen der löwenköpfigen Menhit an. Menhit ist in diesem Modell nicht die Nachbarin oder Doppelgängerin der Nebtu, sondern deren aufgebrachte Erscheinungsform.
Besänftigen ließ sich dieser Zustand nur mit drastischen Mitteln. Die Texte nennen Blutströme, gebratene Glieder von Feinden und aufgespießte Tiere — eine Ikonographie der Beschwichtigung, die man einer Tempelgottheit der Römerzeit nicht ohne Weiteres zutraut.
Der tanzende Pharao
Eine Szene im Tempel zeigt Kaiser Trajan (98–117 n. Chr.), wie er vor Menhit und Nebtu tanzt (Esna 520).
Das ist eine große Seltenheit: Aus den Tempeln der ptolemäisch-römischen Zeit sind insgesamt nur drei Darstellungen eines tanzenden Pharaos bekannt — die beiden anderen stehen im Isistempel von Dendera und im Horustempel von Edfu.
Alle drei haben denselben Auftrag zum Inhalt: Der Herrscher muss eine zornige Göttin besänftigen. Der Tanz ist damit keine Festlichkeit, sondern eine Amtshandlung — und Menhit ist die Adressatin einer davon.
Königtum, Krieg & SchutzLokal- & Tiergötter