Fremde GötterKönigtum, Krieg & Schutzmittelmäßig belegt
Baal
Kanaanäischer Wettergott, im Neuen Reich in Ägypten aufgenommen und mit Seth gleichgesetzt.

- Zuständig für
- Sturm, Krieg, Meer
- Bezeugt
- Zweite Zwischenzeit bis Spätzeit
- Kultorte
- Memphis („Ausländerviertel“ Perunefer), Avaris/Tanis, Delta
- Familie
- Gleichsetzung: Seth
Umfeld: Anat, Astarte
Erscheinung
Bärtiger Mann mit spitzer Kappe, erhobener Keule und Speer, in vorderasiatischer Tracht mit Bändern.
Wie ein Gott einwandert
Mit den vorderasiatischen Bevölkerungsgruppen der Hyksoszeit und dem intensiven Handel des Neuen Reichs kamen levantinische Götter nach Ägypten. Baal wurde mit Seth identifiziert, weil beide Sturm, Gewalt und Fremdheit verkörpern. In Kampfberichten wird der König „wie Baal“ genannt. Die Übernahme war unproblematisch: Das ägyptische System konnte fremde Götter aufnehmen, ohne die eigenen aufzugeben — man erkannte im fremden Gott den eigenen wieder.
Ein verbreiteter Kurzschluss
Weil Auaris im Ostdelta hyksoszeitliche Hauptstadt war und weil Baal mit Seth gleichgesetzt wurde, wird häufig angenommen, dort habe ein Baalskult bestanden. Diese Annahme lässt sich nicht belegen.
Die epigraphischen Zeugnisse aus Auaris sind wenige, und sie nennen durchweg Seth, nie Baal. Die Gleichsetzung ist real, aber sie verläuft in eine Richtung: Die Ägypter deuteten den fremden Wettergott als ihren eigenen — sie richteten ihm keinen eigenen Kult ein. Wer aus „Baal = Seth“ auf einen Baalstempel schließt, dreht die Aussage um.
Das ist der Normalfall bei Fremdgöttern in Ägypten: Der Name wandert, der Kult meist nicht.
Der Kampf gegen das Meer
Der fragmentarische „Astartepapyrus“ (18. Dynastie) erzählt eine ägyptisierte Fassung des kanaanäischen Mythos vom Kampf des Wettergottes gegen das Meer (Jam), in dem Astarte eine Vermittlerrolle spielt. Der Text ist eines der besten Zeugnisse für tatsächlichen Mythentransfer, nicht bloß Namensübernahme.
Fremde GötterKönigtum, Krieg & Schutz