Sonne, Himmel & GestirneKönigtum, Krieg & Schutzgut belegt
Harachte / Re-Harachte
griechisch Harachtes · ägyptisch Ḥr-ꜣḫtj / Rꜥ-Ḥr-ꜣḫtj
„Horus der beiden Horizonte“ — die Sonne im Moment ihres Auf- und Untergangs, verschmolzen mit Re.

- Zuständig für
- Horizont, Sonnenlauf, Königsschutz
- Bezeugt
- Altes Reich bis Römerzeit
- Kultorte
- Heliopolis, Abu Simbel (Nischenfigur über dem Eingang), Karnak, Amarna (Frühphase)
- Familie
- Zusammensetzung: Re + Horus in Horizontgestalt
Weiterbildung: Re-Harachte-Atum; in Amarna „Re-Harachte, der im Horizont jubelt in seinem Namen Licht, das in der Sonnenscheibe ist“
Erscheinung
Falkenköpfiger Mann mit Sonnenscheibe und Uräus — die verbreitetste aller Sonnengottdarstellungen.
Was der Name meint
ꜣḫt ist nicht einfach „Horizont“, sondern die Zone zwischen den beiden Bergen, in der die Sonne erscheint und verschwindet — ein Übergangsraum zwischen Diesseits und Jenseits. Harachte ist der Gott dieses Übergangs. Die Verbindung mit Re ergibt eine Sonnengestalt, die zugleich königlich (Horus) und kosmisch (Re) ist.
Die Litanei der zwölf Namen
Seit dem Neuen Reich füllt Sonnenliteratur die Gräber und Denkmäler, königliche wie private — unzählige Hymnen, die sich untereinander stark ähneln. Ein Text fällt aus dieser Gleichförmigkeit heraus: die Litanei der zwölf Namen des Re-Harachte, formal zwischen Litanei und Hymnus stehend.
Wozu sie diente, sagt sie selbst. Der älteste und wohl treueste Zeuge, Papyrus Chester Beatty VIII aus der 20. Dynastie, führt den vollständigsten Titel: „Die zwölf Namen des Horus, zu sprechen bei Tagesanbruch, wenn Re im Horizont aufgeht. Großer Schutz der Glieder … alle Feinde …“ — ein Schutzspruch, gebunden an den Augenblick, für den Harachte zuständig ist.
Das Aufschlussreiche ist, wie der Text sich verhielt. Fünf Hauptfassungen sind erhalten, und ihr Vergleich in zeitlicher Folge zeigt: Er wurde fortwährend erweitert, nicht bewahrt. Anspielungen, die mit der Zeit unverständlich geworden waren, hat man nicht gestrichen, sondern neu gedeutet. Ein Kulttext war offenbar zu wichtig, um ihn festzuschreiben.
Sphinx und Amarna
Die Große Sphinx von Gizeh wurde im Neuen Reich als Harmachis („Horus im Horizont“) verehrt; die Traumstele Thutmosis’ IV. zwischen ihren Pfoten erzählt, wie der Gott dem schlafenden Prinzen das Königtum versprach. In der Frühphase Echnatons ist der Aton noch der „Re-Harachte, der im Horizont jubelt“ — der neue Kult wuchs also aus der Horizonttheologie heraus, bevor er die Bildgestalt aufgab.
Am Sphinx hängt außerdem ein Fremder. Im Neuen Reich wird die Große Sphinx mit dem levantinischen Schutzgott Hauron zusammengebracht; die Doppelbezeichnung Hauron-Harmachis ist an Ort und Stelle belegt. Der bekannteste Fall dafür, dass ein eingewanderter Gott nicht neben, sondern in einem ägyptischen Kultobjekt Platz fand.
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