Vergöttlichte MenschenLokal- & Tiergöttermittelmäßig belegt
Peteese und Pihor
Zwei nubische Brüder, die im Nil ertranken und daraufhin als lokale Heilige vergöttlicht wurden.

Abgebildet ist der Tempel selbst, nicht Peteese und Pihor. Die beiden sind in seinem Inneren im Relief dargestellt.
- Zuständig für
- Ortsschutz, Fürsprache
- Bezeugt
- Römische Kaiserzeit (Tempel unter Augustus, ca. 15 v. Chr.)
- Kultorte
- Dendur in Nubien
- Familie
- Vater: Kuper (nach der Tempelinschrift)
Erscheinung
Zwei Männer in ägyptischer Tracht, dem Isis und Osiris opfern; im Tempel von Dendur dargestellt.
Ertrunkene als Heilige
Wer im Nil ertrank, galt in Ägypten als besonders geheiligt — der Tod im Wasser des Osiris machte den Verstorbenen ihm ähnlich. Peteese und Pihor sind der bekannteste Fall: Augustus ließ ihnen in Dendur einen kleinen Tempel bauen. Das Bauwerk wurde beim Bau des Assuan-Staudamms zerlegt und 1978 im Metropolitan Museum in New York wieder aufgebaut, wo es heute in einem eigenen Saal steht.
Die „Gepriesenen“
Für diesen Vorgang hatten die Ägypter einen eigenen Begriff: ḥsjw, „die Gepriesenen“. Gemeint sind Menschen, die durch göttliches Zutun starben — ertrunken, von einer Schlange oder einem Krokodil getötet.
Der Tod durch ein göttliches Tier galt als Gnade, nicht als Unglück. Das dreht die naheliegende Lesart um: Nicht der Mensch hatte Pech, sondern der Gott hatte gewählt.
Peteese und Pihor gehören genau in diese Gruppe. Im Tempel von Dendur sind sie mit göttlichen Insignien dargestellt — eine von drei Möglichkeiten, vergöttlichte Menschen zu zeigen. Die beiden anderen sind die Darstellung als gewöhnlicher Mensch und die als reguläre Gottheit.
Warum Antinoos keine römische Sonderbarkeit war
Als Hadrians Günstling Antinoos 130 n. Chr. im Nil ertrank und daraufhin vergöttlicht wurde, gilt das oft als Ausdruck kaiserlicher Willkür oder persönlicher Trauer.
Nach ägyptischem Maßstab war es nichts dergleichen. Antinoos starb den Tod der ḥsjw, und was danach geschah, folgte einer Regel, die in Ägypten seit Jahrhunderten galt. Der Kult stand damit in der Tradition, nicht gegen sie.
Wer entschied das eigentlich?
In den früheren Epochen war die Vergöttlichung offenbar eine Bewegung von unten: Keine zentrale Stelle regelte, wer zum Ortsheiligen wurde. Das passt zu Peteese und Pihor, zwei Privatleuten ohne Amt.
In ptolemäischer Zeit greift der Staat ein. Ein Erlass Ptolemaios’ VIII. bestimmt, dass vergöttlichte Menschen auf Kosten der Staatskasse zu bestatten sind — die Anerkennung wird verwaltet, nicht mehr nur zugestanden.
Neben den ḥsjw wurden vor allem zwei Gruppen vergöttlicht: Weise, etwa Verfasser von Lehren, und lokale Machthaber wie Gaufürsten. Für die zweite Gruppe steht Heqaib auf Elephantine.
Vergöttlichte MenschenLokal- & Tiergötter