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Netjeru

Nachschlagewerk zu den Göttern und Mythen des alten Ägypten — 134 Einträge, mit Quellen und Beleglage.

Hintergrundgut belegt

Synkretismus: Wie Götter zusammenwachsen

Amun-Re, Ptah-Sokar-Osiris, Isis-Hathor: Warum ägyptische Götter miteinander verschmelzen, ohne zu verschwinden.

Grundregel
Verbindung ist kein Ersatz — beide Götter existieren daneben weiter
Zeitraum
Altes Reich bis Römerzeit
Themenfelder
Theologie · Religionsgeschichte
Orte
landesweit

Kein Ersatz, sondern ein Aspekt

Wenn Amun und Re zu Amun-Re verbunden werden, verschwinden weder Amun noch Re. Es entsteht ein dritter Name für einen bestimmten Aspekt: „Re, wie er sich in Amun zeigt“. Ägyptische Götter sind keine Personen mit klaren Grenzen, sondern Wirkbereiche, die sich überlappen dürfen. Erik Hornung hat das mit dem Begriff der „Vielheit in der Einheit“ beschrieben.

Warum es geschieht

Meist aus drei Gründen: politisch (der Gott der neuen Hauptstadt wird mit dem Reichsgott verbunden), funktional (zwei Götter machen dasselbe, etwa Löwengöttinnen), oder ortsbedingt (ein Zuwanderergott findet einen einheimischen Verwandten, wie Baal und Seth).

Grenzen

Nicht alles verschmilzt. Seth und Osiris bleiben Gegensätze, Apophis lässt sich mit niemandem verbinden. Und die Amarnareligion versuchte erstmals das Gegenteil — Ausschließlichkeit statt Verbindung —, was sich als nicht haltbar erwies.

Interpretatio graeca

Griechen und Römer setzten ägyptische Götter mit eigenen gleich: Thot = Hermes, Ptah = Hephaistos, Amun = Zeus, Hathor = Aphrodite, Seth = Typhon, Osiris = Dionysos. Solche Gleichungen sind Verständnishilfen, keine Identitäten — Herodot und Plutarch sind wertvolle, aber gefärbte Quellen.

Hintergrund