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Netjeru

Nachschlagewerk zum alten Ägypten: Götter, Orte, Objekte und Zeit — 201 Einträge, mit Quellen und Beleglage.

Königtum, Krieg & SchutzHaus, Geburt & AlltagLokal- & Tiergöttergut belegt

Nechbet

griechisch Eileithyia (gleichgesetzt) · ägyptisch Nḫbt

Die Geiergöttin von Elkab, Schutzherrin Oberägyptens und der Geburt.

NḫbtUmschrift
Farbige Nachzeichnung einer Wandmalerei auf Papier. Ein Geier fliegt mit weit ausgebreiteten Flügeln quer durch das Bild, den weißen Kopf mit gebogenem gelbem Schnabel nach rechts gewandt. Die Schwingen sind in Bändern gefiedert: blaugrüne Schuppenreihen, ein Streifen roter Bögen, dann lange rote und blaue Schwungfedern. Unter dem Körper hält er einen Ring mit waagerechtem Querstrich. Am oberen Rand läuft ein blaues Band mit goldenen Sternen, links eine senkrechte Blockbordüre in Gelb, Rot, Grün und Schwarz.

Das Blatt ist eine Nachzeichnung nach der Wandmalerei im Tempel der Hatschepsut. Die Wand selbst ist hier nicht abgebildet.

Zuständig für
Oberägypten, Königsschutz, Geburtshilfe
Bezeugt
Frühdynastisch bis Römerzeit
Kultorte
Elkab (Nechen-Gegenstück, Nechbet-Stadt), Hierakonpolis
Familie
Gegenstück: Wadjet (Unterägypten)

Erscheinung

Geier mit ausgebreiteten Flügeln über dem König, oft mit Schen-Ring in den Fängen; als Frau mit Geierhaube und Weißer Krone.

Der Geier über dem König

Auf zahllosen Reliefs schwebt Nechbet mit ausgebreiteten Schwingen über dem Herrscher und hält den Schen-Ring, das Zeichen für „umschlossen, geschützt, ewig“. In Königsgräbern bedeckt sie ganze Deckenflächen. Die Geierhaube der Königinnen leitet sich von ihr ab.

Geburt

Weil der Geier als besonders fürsorgliche Mutter galt und das Wort mwt „Mutter“ mit dem Geierzeichen geschrieben wird, ist Nechbet zugleich Geburtsgöttin. Die Griechen setzten sie deshalb mit Eileithyia gleich und nannten Elkab entsprechend. Als Hebamme ist sie spätestens in der 18. Dynastie deutlich fassbar.

Sie gebiert auch die Toten

Die Geburtsgöttin bleibt zuständig, wenn ein Toter neu ins Leben kommt. Im Grab des Petosiris zeigt die Auferstehungsszene einen Skarabäus mit Atef-Krone auf einem Serech, links von Nechbet, rechts von Wadjet flankiert — beide als Frauen mit Geier- beziehungsweise Kobrakopf, die Flügel schützend ausgebreitet. Der Text über Nechbet lässt sie sprechen: „Ich bringe dich zur Welt.“

Sie trägt dabei den Beinamen Šdyt, den ein Text von Edfu voll ausschreibt: „Nechbet, die Weiße von Nechen, das rechte Auge des Re, die erhabene Schedit.“ Geschrieben wird das Wort mit dem Zeichen des tragbaren Naos — dasselbe Zeichen steht für Štjt, das Heiligtum des Sokar. Osiris, mit Sokar gleichgesetzt, wird von Nechbet neu geboren; Daumas nennt sie darum die ägyptische Lucina.

Ein Bild aus dem östlichen Osirisgrab von Dendera zeigt sie am Fuß der Mumie als Geier mit ausgebreitetem Flügel — und, wenn die Zeichnung stimmt, mit der Roten Krone. Für die Herrin Oberägyptens wäre das die Krone der falschen Landeshälfte; die Vorsicht des Ausdrucks stammt von Daumas selbst und gehört zur Angabe dazu.

Die Beiden Herrinnen in Karnak

An der kuschitischen Kolonnade östlich des Amunbezirks von Karnak steht eine Szene, die das Paar Nechbet–Wadjet in eine ganze Prozession auflöst: neun Gestalten, Hand in Hand, alle auf derselben Ebene. In der Mitte der König, zu seiner Linken Nechbet mit den Seelen von Nechen, zu seiner Rechten Wadjet mit den drei Seelen von Pe. Die Beischriften geben beiden ihre vollen Titel — Nechbet ist „die Weiße von Nechen, Herrin von Fag, mit weiten Flügeln“, Wadjet „die von Pe und Dep, Herrin des Per-nu und Herrin des Per-neser“.

Das Muster ist wörtlich symmetrisch: jeder Göttin ihre Stadt, ihr Heiligtum und ihre Ahnengeister.

Elkab

Die Stadtmauer von Elkab aus der Spätzeit gehört zu den eindrucksvollsten erhaltenen Lehmziegelbauten Ägyptens. Die Felsgräber dort — vor allem das des Ahmose, Sohn der Abana — enthalten die wichtigsten Augenzeugenberichte zur Vertreibung der Hyksos.

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