Lokal- & TiergötterKönigtum, Krieg & Schutzdünn belegt
Chentechtai
Gott von Athribis, ursprünglich krokodilgestaltig, später als Falke verstanden.
- Zuständig für
- Schutz des Gaues, Königtum
- Bezeugt
- Altes Reich bis Spätzeit
- Familie
- Angleichung: an Horus
Erscheinung
Krokodil oder Falke, je nach Epoche; auch falkenköpfiger Mann mit Doppelkrone.
Wandel der Tiergestalt
Chentechtai ist ein instruktives Beispiel dafür, dass Tiergestalten nicht festliegen: Im Alten Reich ist er ein Krokodil, im Neuen Reich ein Falke. Vermutlich lag es an der Angleichung an Horus, die im Delta politisch attraktiv war. Über eigene Mythen ist fast nichts bekannt; die Beleglage besteht überwiegend aus Titeln und Ortsangaben.
So sauber ist die Abfolge allerdings nicht. In sehr alten Personennamen steht hinter dem Namen mitunter das Stierzeichen — vermutlich der Rest eines Zustands vor der Angleichung an Horus. Daneben gibt es, ebenfalls seit dem Alten Reich, die Schreibung mit dem Krokodil. Warum beide Tiere nebeneinander stehen, ist ungeklärt; Vergleichsfälle wären Thots Doppelgestalt oder Amuns Widder und Gans.
Und das Krokodil verschwindet nicht: Ein saitischer Naos im Louvre zeigt den Gott noch krokodilköpfig. Dass Horus sich mit Krokodilgöttern verbinden ließ, ist ohnehin geläufig — Sobek und Haroeris teilen sich in Kom Ombo einen Tempel.
Woher wir überhaupt von ihm wissen
Der Name lebt zuerst in Personennamen. Seit dem Alten Reich ist er dort belegt, im Mittleren Reich häufig — und mehr als dieser Name ist von der Gottheit lange nicht zu fassen. Später macht der allgemeine Synkretismus daraus einen bloßen Beinamen, den Osiris tragen kann und Horus noch öfter.
Die älteste bekannte Abbildung steht erst im Grab Ramses' III. Dort ist er falkenköpfig, wie es zu einem Horus passt — aber mit schwarzem Leib, was mit dem Namen des athribitischen Gaues zusammengebracht wird, der gelegentlich als sein Beiname dient.
Ein Beispiel dafür, wie dünn der Boden ist: Chassinat schrieb ihm vier Genien als Kinder zu, die zusammen mit den vier Horussöhnen eine zweite Neunheit gebildet hätten. Henri Sottas übernahm das 1924 — und nahm es 1927 zurück: Junker hatte die vier inzwischen ihrem wirklichen Vater zugewiesen. Wer über Chentechtai liest, sollte auf das Erscheinungsjahr achten.
In seiner älteren Gestalt gehört er zu Sobek, dem Krokodilgott schlechthin — nur dass Sobek das Krokodil blieb und Chentechtai es aufgab. Zwei Wege aus derselben Tiergestalt.
Und sein weiterer Weg ist der von Anedjti. Beide sind Delta-Lokalgötter, deren eigene Überlieferung so dünn ist, dass sie in größeren Gestalten aufgehen — Anedjti von Busiris in Osiris, Chentechtai von Athribis in Horus. Was von ihnen bleibt, sind Beinamen und Ortsangaben in fremden Texten.
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