Schöpfung & UrzeitPersonifikationengut belegt
Nun
Das Urwasser vor der Schöpfung — kein Gott, der handelt, sondern der Zustand, aus dem und in dem alles existiert.
- Zuständig für
- Urwasser, Chaos vor der Ordnung, Grundwasser, Regeneration
- Bezeugt
- Pyramidentexte bis Römerzeit
- Kultorte
- kein eigentlicher Tempelkult; jeder Tempelsee gilt als Nun, Achtheit von Hermopolis
- Familie
- Gefährtin: Naunet
Rolle: „Vater der Götter“ als Herkunftsraum, nicht als Erzeuger
Achtheit: mit Naunet erstes Paar der hermopolitanischen Achtheit
Erscheinung
Bärtiger Mann, oft mit Wasserlinien-Determinativ, häufig mit erhobenen Armen, die die Sonnenbarke aus der Tiefe hebt; die Gefährtin Naunet ist Gegenstück, nicht eigenständige Person.
Was Nun ist
Nun ist keine Person mit Biografie, sondern ein Zustand: unbegrenztes, dunkles, bewegungsloses Wasser ohne Oberfläche und ohne Richtung. Entscheidend ist, dass er durch die Schöpfung nicht verschwindet. Die geschaffene Welt ist eine Blase im Nun — er umgibt sie oben (als Himmelsozean), unten (als Grundwasser) und außen. Jeder Brunnen, jede Überschwemmung, jeder heilige See ist Kontakt mit ihm.
Bedrohung und Erneuerung zugleich
Weil Nun der ungeordnete Zustand ist, ist er potenziell tödlich: Sinkt die Ordnung, kehrt alles in ihn zurück. Zugleich ist er die einzige Quelle von Erneuerung. Die nächtliche Sonnenfahrt führt durch ihn hindurch, und der Sonnengott verjüngt sich in ihm. Ägyptische Theologie denkt das Chaos deshalb nicht als das Böse, sondern als das Unbestimmte — das Böse ist Apophis, der die Ordnung angreift, nicht Nun, aus dem sie stammt.
Im Kult
Der heilige See jedes größeren Tempels ist rituell Nun; Priester reinigten sich darin, weil Reinigung als Rückkehr in den Urzustand und Wiedergeburt verstanden wurde. Auch das Sonnenaufgangsbild — Arme, die aus dem Wasser die Barke emporheben — gehört zu diesem Vorstellungskreis.
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