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Netjeru

Nachschlagewerk zum alten Ägypten: Götter, Orte, Objekte und Zeit — 201 Einträge, mit Quellen und Beleglage.

Sonne, Himmel & GestirneSchöpfung & UrzeitTotenreich & Osiriskreisgut belegt

Nut

griechisch Nut, mit Rhea gleichgesetzt · ägyptisch Nwt

Die Himmelsgöttin, die jeden Abend die Sonne verschluckt und jeden Morgen neu gebiert — und dasselbe für die Toten tut.

NwtUmschrift
Bemalter Boden einer hölzernen Sargwanne, von oben aufgenommen; der Rand der Wanne läuft oben in einen Rundbogen aus. Über die ganze Länge ist eine Frauengestalt gemalt, die Arme über dem Kopf ausgestreckt, Beine geschlossen, Füße am unteren Bildrand. Ihr Körper ist dunkelblaugrün und dicht mit kleinen goldgelben Sternen übersät; das lange schwarze Haar fällt in feinen Strähnen zu beiden Seiten des Gesichts herab. Das Gesicht ist frontal gegeben, mit weiß eingelegten Augen. Auf Höhe des Halses liegt eine große rote Scheibe auf dem Körper, eine zweite, hellere Scheibe sitzt tiefer unterhalb der Körpermitte. Links und rechts der Gestalt laufen schmale Streifen mit Hieroglyphen und kleinen knienden Figuren, die rote Scheiben emporhalten. Die Farben sind matt, das Holz an den Rändern hell und abgegriffen.
Zuständig für
Himmel, Sternenlauf, Wiedergeburt, Sargschutz
Bezeugt
Pyramidentexte bis Römerzeit
Kultorte
Heliopolis, Dendera (Deckenreliefs), als Sargdeckel-Göttin überall
Familie
Vater: Schu
Mutter: Tefnut
Bruder und Gefährte: Geb
Kinder: Osiris, Isis, Seth, Nephthys, Horus der Ältere

Erscheinung

Frau, die sich über die Erde spannt und nur mit Fingern und Zehen den Boden berührt, Körper oft mit Sternen besetzt; auch als Himmelskuh oder als Frau im Sykomorenbaum, die Wasser spendet.

Das tägliche Verschlucken

Nut nimmt die Sonne am Abend in den Mund, trägt sie durch die Nacht in ihrem Leib und gebiert sie am Morgen zwischen ihren Schenkeln neu. Dasselbe geschieht mit den Sternen. Die Vorstellung ist bildlich drastisch und wurde gelegentlich als Kannibalismus der Mutter an ihren Kindern kritisiert — die Texte lassen Geb deshalb protestieren, worauf Schu die beiden trennt.

Die fünf Zusatztage

Weil Re Nut verboten hatte, an einem Tag des Jahres zu gebären, gewinnt Thot beim Brettspiel gegen den Mond genügend Licht für fünf zusätzliche Tage. An diesen „Epagomenen“ kommen Osiris, Horus der Ältere, Seth, Isis und Nephthys zur Welt. Das erklärt die ägyptische Kalenderstruktur aus 12 × 30 Tagen plus 5 Tagen — der Mythos ist bei Plutarch überliefert, die Kalenderpraxis ist uralt.

Sarg und Grabdecke

Nut ist auf der Innenseite unzähliger Sargdeckel abgebildet: Der Tote liegt buchstäblich in ihrem Leib und wird wie die Sonne wiedergeboren. Auf Grabdecken erscheint sie als Sternenhimmel, oft zusammen mit astronomischen Tabellen (Dekansternen). Das Grab des Ramses VI. und die Osiriskapellen von Dendera enthalten die vollständigsten Fassungen des „Nutbuchs“.

Der Himmel als Kuh

Nut trägt den Himmel nicht nur als Frau, die sich über die Erde spannt. Im „Buch von der Himmelskuh“ zieht sich der alternde Sonnengott von der Erde zurück, und der Himmel wird ihm in Gestalt einer Kuh geschaffen — die Komposition versteht diese Kuh als Erscheinungsform der Nut.

Die große Vignette zeigt sie mit sternbesetztem Bauch. Schu steht zwischen ihren Beinen und stützt den Bauch mit erhobenen Armen, je zwei Heh-Götter tragen jedes der vier Beine. Zwei Sonnenbarken durchqueren ihren Leib: eine zwischen den Vorderbeinen, mit dem Sonnengott an Bord, die zweite unterhalb des Euters.

Der Umkehrschluss gilt allerdings nicht. „Himmelskuh“ ist eine Bildformel, die auch Mehet-Weret, Hathor und Isis tragen können; welche Göttin gemeint ist, sagt erst der Text, nicht das Bild.

Baumgöttin

Als Sykomore reicht Nut dem Toten Wasser und Brot — eine der berührendsten Grabvignetten, oft mit der Seele (Ba-Vogel), die daraus trinkt. In dieser Rolle überschneidet sie sich mit Hathor und Isis.

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