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Netjeru

Nachschlagewerk zu den Göttern und Mythen des alten Ägypten — 134 Einträge, mit Quellen und Beleglage.

Sonne, Himmel & GestirneSchöpfung & UrzeitTotenreich & Osiriskreisgut belegt

Nut

griechisch Nut, mit Rhea gleichgesetzt · ägyptisch Nwt

Die Himmelsgöttin, die jeden Abend die Sonne verschluckt und jeden Morgen neu gebiert — und dasselbe für die Toten tut.

NwtUmschrift
Zuständig für
Himmel, Sternenlauf, Wiedergeburt, Sargschutz
Bezeugt
Pyramidentexte bis Römerzeit
Kultorte
Heliopolis, Dendera (Deckenreliefs), als Sargdeckel-Göttin überall
Familie
Vater: Schu
Mutter: Tefnut
Bruder und Gefährte: Geb
Kinder: Osiris, Isis, Seth, Nephthys, Horus der Ältere

Erscheinung

Frau, die sich über die Erde spannt und nur mit Fingern und Zehen den Boden berührt, Körper oft mit Sternen besetzt; auch als Himmelskuh oder als Frau im Sykomorenbaum, die Wasser spendet.

Das tägliche Verschlucken

Nut nimmt die Sonne am Abend in den Mund, trägt sie durch die Nacht in ihrem Leib und gebiert sie am Morgen zwischen ihren Schenkeln neu. Dasselbe geschieht mit den Sternen. Die Vorstellung ist bildlich drastisch und wurde gelegentlich als Kannibalismus der Mutter an ihren Kindern kritisiert — die Texte lassen Geb deshalb protestieren, worauf Schu die beiden trennt.

Die fünf Zusatztage

Weil Re Nut verboten hatte, an einem Tag des Jahres zu gebären, gewinnt Thot beim Brettspiel gegen den Mond genügend Licht für fünf zusätzliche Tage. An diesen „Epagomenen“ kommen Osiris, Horus der Ältere, Seth, Isis und Nephthys zur Welt. Das erklärt die ägyptische Kalenderstruktur aus 12 × 30 Tagen plus 5 Tagen — der Mythos ist bei Plutarch überliefert, die Kalenderpraxis ist uralt.

Sarg und Grabdecke

Nut ist auf der Innenseite unzähliger Sargdeckel abgebildet: Der Tote liegt buchstäblich in ihrem Leib und wird wie die Sonne wiedergeboren. Auf Grabdecken erscheint sie als Sternenhimmel, oft zusammen mit astronomischen Tabellen (Dekansternen). Das Grab des Ramses VI. und die Osiriskapellen von Dendera enthalten die vollständigsten Fassungen des „Nutbuchs“.

Baumgöttin

Als Sykomore reicht Nut dem Toten Wasser und Brot — eine der berührendsten Grabvignetten, oft mit der Seele (Ba-Vogel), die daraus trinkt. In dieser Rolle überschneidet sie sich mit Hathor und Isis.

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