Vergöttlichte MenschenLokal- & TiergötterTotenreich & Osiriskreisgut belegt
Amenophis I. und Ahmose-Nefertari
König und Königsmutter, in Deir el-Medina als Götterpaar der Arbeitersiedlung verehrt — mit eigenem Tempel, Orakel und Fest.
- Zuständig für
- Schutz der Nekropolenarbeiter, Orakel, Heilung und Kindersegen
- Bezeugt
- Kult ab dem Neuen Reich, in Deir el-Medina bis in die Ramessidenzeit
- Kultorte
- Deir el-Medina (eigener Tempel), Theben-West
- Familie
- Mutter: Ahmose-Nefertari, selbst vergöttlicht
Göttliche Eltern: Amun und Mut bzw. Amaunet
Erscheinung
Als Königspaar in voller Tracht; Amenophis I. gelegentlich als Kind neben seinen göttlichen Eltern.
Zwei Menschen, die Götter wurden
Amenophis I. (etwa 1525–1504 v. Chr.) und seine Mutter Ahmose-Nefertari sind der bekannteste Fall einer Vergöttlichung von Königen — und sie sind, das ist der Punkt, nicht dasselbe wie ein König, der ohnehin als göttlich gilt.
Diese Unterscheidung wird oft übersprungen. Der ägyptische König hat von Amts wegen einen halbgöttlichen Status; die besondere Vergöttlichung einzelner Herrscher und Königinnen wie dieser beiden ist davon zu trennen. Sie ist ein eigener Vorgang mit eigenem Kult, eigenem Tempel und eigenem Fest — und sie trifft nur wenige.
Ein Kind neben den eigenen Eltern
Vergöttlichte Menschen bekamen in Ägypten göttliche Eltern zugeschrieben. Imhotep und seine Schwester Renpetneferet galten als Kinder des Ptah; Amenophis I. ist Sohn des Amun und der Mut beziehungsweise der Amaunet — oder eben seiner irdischen, aber ebenfalls vergöttlichten Mutter Ahmose-Nefertari.
Die bildliche Folge ist bemerkenswert: Selbst als Erwachsener kann Amenophis I. gegenüber seinen göttlichen Eltern als kleines Kind dargestellt werden. Nicht das Lebensalter bestimmt die Größe, sondern das Verhältnis.
In dieser Zeit ist es üblich, einen vergöttlichten Menschen nṯr ꜥꜣ zu nennen, „großer Gott“, griechisch theos megistos — derselbe Titel wie für die alten Götter.
Wofür man sie anrief
Vergöttlichte Menschen waren Ansprechpartner für Heilung und Kindersegen — und für Fragen, die sonst niemand beantworten konnte: ob ein Grab in Ordnung sei, ob eine Mumifizierung richtig vollzogen wurde.
Für Amenophis I. ist darüber hinaus etwas Seltenes bezeugt: eine Art Mysterienspiel, offenbar um seinen Tod kreisend, aufgeführt beim Fest „Das Bett für Amenophis bereiten“.
Der Tempel in Deir el-Medina
Nördlich der Arbeitersiedlung stand ein kleiner Tempel für Amenophis I. und Ahmose-Nefertari, an der Nordwestecke des späteren ptolemäischen Hathortempels — teils unter ihm, teils außerhalb seiner Umfassung. Ausgegraben hat ihn 1940 die IFAO.
Der Bau folgt einer Ost-West-Achse und ist schlecht erhalten, seine Gliederung aber erkennbar: ein Vorhof beziehungsweise eine Außenhalle, über fünf Stufen erreichbar, mit zwei Säulenbasen und einer Bank an der Südwand; darüber, zwei Stufen höher, eine innere Säulenhalle mit zwei Bänken; dann ein Pronaos mit Pfeilern, Säulen und einem Schrein.
Die Wände des Pronaos waren bemalt — waagerechte Bänder in Rot, Schwarz und Weiß, dazu Bilder, von denen Reste erhalten sind. Dargestellt sind Amenophis I. und Ahmose-Nefertari. Aus dem Tempel stammen zahlreiche Funde, darunter Statuen und Statuetten der beiden.
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