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Netjeru

Nachschlagewerk zum alten Ägypten: Götter, Orte, Objekte und Zeit — 201 Einträge, mit Quellen und Beleglage.

Königtum, Krieg & SchutzHaus, Geburt & Alltaggut belegt

Mut

„Die Mutter“ — thebanische Reichsgöttin, Gemahlin des Amun, Geierin und zugleich zornige Löwin.

MwtUmschrift
Stehende Figur aus Kupferlegierung in Dreiviertelansicht, ein Bein vorgesetzt. Die Frau trägt eine lange Strähnenperücke, die über beide Schultern fällt, einen breiten Halskragen und ein enges, knöchellanges Kleid mit rötlichen Farbresten. Auf dem Kopf sitzt eine Doppelkrone: ein heller, nach hinten geschwungener Kegel in einem zylindrischen Untersatz. Beide Hände sind zu Fäusten geschlossen.
Zuständig für
Mutterschaft, Königinnenwürde, Schutz, Sonnenauge
Bezeugt
Mittleres Reich bis Römerzeit
Familie
Gemahl: Amun
Sohn: Chons
Aspekte: Sachmet, Bastet, Werethekau

Erscheinung

Frau mit Geierhaube und Doppelkrone, meist im engen roten oder blauen Kleid; als Löwenköpfige; als Geier.

Name und Wesen

Ihr Name ist das gewöhnliche Wort für „Mutter“, geschrieben mit dem Geier — dem Vogel, der in Ägypten als besonders fürsorglich galt. Mut ist damit weniger eine Person mit Mythen als eine Funktion: die göttliche Mutterschaft, die den König erzeugt und die Königin legitimiert. Königinnen tragen die Geierhaube nach ihrem Vorbild.

Der Isheru-See

Der Mutbezirk in Karnak umschließt einen halbmondförmigen See. Solche Isheru-Seen gehören typischerweise zu gefährlichen Löwengöttinnen: Das Wasser besänftigt die zornige Göttin. Amenophis III. ließ hier mehrere hundert Sitzstatuen der Sachmet aufstellen — vermutlich für ein Ritual, das an jedem Tag des Jahres eine andere Statue bediente, um Seuchen abzuwehren.

Die Braut des Opetfestes

Wo Muts Funktion als Mutterschaft am deutlichsten wird, ist das Opetfest: die jährliche Fahrt der Barken von Karnak nach Luxor. Der Kern der Riten ist eine heilige Hochzeit von Amun und Mut, aus der die Erneuerung des Amun in der Person des regierenden Königs hervorgeht — und mit ihr die Weitergabe des königlichen Ka.

Mut war allerdings nicht von Anfang an dabei. Beim frühesten Beleg des Festes, unter Hatschepsut, fährt nur die Barke des Amun. Erst unter Tutanchamun sind es vier: Amun, Mut, Chons und der König. Eine erhaltene Szene zeigt die Barke der Königin Anchesenamun, wie sie die Flussbarke der Mut von Karnak nach Luxor schleppt.

Das ist die genauere Auskunft zu einem Satz, den man oft liest: Die thebanische Trias sei die selbstverständliche Familie gewesen. Im ältesten Ablauf des wichtigsten thebanischen Festes ist sie es nicht — sie wächst erst hinein.

Fest der Trunkenheit

Zum Mutkult gehört das Fest der Trunkenheit im ersten Monat, bei dem Bier und Musik die Rückkehr der besänftigten Göttin feierten. Ausgrabungen im Mutbezirk haben einen „Porch of Drunkenness“ der Hatschepsut freigelegt. Das Fest war rituell, nicht ausgelassen im modernen Sinn — Trunkenheit galt als Zustand der Gottesnähe.

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