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Netjeru

Nachschlagewerk zum alten Ägypten: Götter, Orte, Objekte und Zeit — 201 Einträge, mit Quellen und Beleglage.

Totenreich & OsiriskreisDämonen & Mischwesendünn belegt

Imiut

Ein Fetischgegenstand — enthäuteter Tierbalg an einem Stab — der selbst als Gott angesprochen wird.

Jmj-wtUmschrift
Ein langes, aufrecht stehendes Bündel, straff in vergilbte Leinenbinden gewickelt, oben stumpf endend. Nach unten verjüngt es sich; dort tritt ein rötlichbrauner Holzstab hervor und steckt in einem hellen, durchscheinenden Gefäß aus Alabaster, das sich nach oben weit öffnet. Am unteren Ende der Umwicklung hängt ein Zipfel des Leinens heraus. Was die Binden umschließen, ist nicht zu sehen.
Zuständig für
Balsamierung, Schutz des Leichnams
Bezeugt
Naqada II bis Römerzeit; als Beiname des Anubis ab der 4. Dynastie
Kultorte
Nekropolen, besonders Sakkara und Abydos
Familie
Zuordnung: Beiname und Emblem des Anubis

Erscheinung

Kopfloses Tierfell, an einer Stange hängend, deren Fuß in einem Topf steckt; das Fell endet in einem Lotosknospen-artigen Abschluss.

Rätselhafter Gegenstand

Das Imiut ist eines der ältesten und zugleich unverständlichsten Kultobjekte Ägyptens. Es wird in Ritualtexten wie eine handelnde Größe angesprochen und lag als reales Objekt in Gräbern. Die gängige Deutung verweist auf die Häutung als Bild von Erneuerung; sicher ist das nicht.

Ein Wort mit zwei Bedeutungen

Jmj-wt meint zweierlei, und beides gehört zusammen:

  • ein Beiname des Anubis, der auf seine Zuständigkeit für die Mumifizierung zielt;
  • das Kultobjekt selbst — ein Pfahl in einem Topf, an dem ein Tierfell hängt.

Als Beiname ist er von der 4. Dynastie bis in die Römerzeit belegt und wird nach dem Alten Reich immer häufiger. Übersetzt wird er meist „der in der Balsamierungsstätte ist“ oder „der in den Binden ist“ — wt bezeichnet tatsächlich die Binden, die den Leichnam nach der Mumifizierung umhüllen. Für Anubis, der über die Erhaltung des Körpers wacht, passt das.

Es gibt aber eine zweite Lesart, und sie führt woandershin. wt könnte ein Ortsname sein; vorgeschlagen wurde, dass ursprünglich wḥꜣt, „Oase“, dahintersteht. Dann hieße der Beiname nicht „der in den Binden ist“, sondern „der aus jenem Ort“. Entschieden ist das nicht.

Der Gegenstand

Drei Bestandteile: ein aufrechter Pfahl, ein Topf als Fuß, ein Tierfell, das an zwei Stellen am Pfahl befestigt ist.

Er ist älter als die Schrift. Die früheste Darstellung steht auf einem Gefäß der Naqada-II-Zeit, weitere auf protodynastischen Täfelchen aus Abydos. Vier Blöcke aus dem Tempel des Niuserre (5. Dynastie) zeigen, dass das Emblem in den Boden gesteckt und wohl auch beim Sedfest mitgetragen wurde.

Wo sich die Farbe erhalten hat, gehört das Fell meist — vielleicht immer — einem Rind. Dazu passt eine Stelle der Pyramidentexte: Die Sprossen der Leiter, auf der der König zum Himmel aufsteigt, bestehen aus „Leder des Imiut“, und das Objekt sei von der Kuhgöttin Hesat geboren worden.

Zwei erhaltene Stücke

Ein echtes Imiut hat sich aus dem Mittleren Reich erhalten, gefunden im Pyramidentempel Sesostris’ I. in Lischt: 62 cm hoch, mit Resten eines Fells, das sich nicht mehr bestimmen lässt.

Aus dem Grab Tutanchamuns stammen zwei Nachbildungen aus vergoldetem Holz — mit 1,67 m fast dreimal so hoch wie das Original von Lischt.

Ab dem Neuen Reich gehört das Imiut fest zur Totenbildkunst und erscheint besonders in den Gerichtsszenen des Totenbuchs, dort stets in der Nähe des Osiris.

Erklären wollte man es schon in der Antike: Der wohl spätptolemäische Papyrus Jumilhac trägt eine ganze Reihe ätiologischer Mythen dazu zusammen — was vor allem zeigt, dass der Sinn des Gegenstands damals bereits erklärungsbedürftig war.

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