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Netjeru

Nachschlagewerk zum alten Ägypten: Götter, Orte, Objekte und Zeit — 201 Einträge, mit Quellen und Beleglage.

Lokal- & TiergötterKönigtum, Krieg & Schutzdünn belegt

Iunit, Tjenenet und Rait-taui

Drei Gefährtinnen des Month im Raum Armant — lokale Göttinnen mit schmaler Überlieferung.

Jwnjt / Ṯnnt / Rꜥt-tꜣwjUmschrift
Zuständig für
Schutz von Armant, Weibliche Sonnenkraft, Bier und Brauen (Tjenenet)
Bezeugt
Mittleres Reich bis Römerzeit
Kultorte
Armant, Medamud, Tod
Familie
Gemahl: Month

Erscheinung

Frauen mit Doppelfeder oder Sonnenscheibe; Tjenenet gelegentlich mit Kuhhörnern.

Warum gleich drei

Große Götter zogen im Lauf der Zeit mehrere Partnerinnen an, je nach Kultort und Epoche. Rait-taui ist der weibliche Re („Sonne der beiden Länder“), Iunit die „Frau von Iuni“ (Armant), Tjenenet eine Göttin mit Bezug zu Bier und Schutz. Alle drei sind fast nur aus Tempelinschriften bekannt; sie zeigen exemplarisch, wie viele Gottheiten Ägyptens nur als Namen mit Ortsangabe fassbar sind.

Die letzten beiden Tage des zunehmenden Mondes

An einer Stelle haben Iunit und Tjenenet aber eine ganz genaue Aufgabe. In Dendera zeigt eine Darstellung vierzehn Gottheiten auf einer Treppe, jede mit Namen. Die Beischrift unter dem linken Arm beginnt bei jeder mit demselben Verb — mḥ, „füllen“ —, dann folgt eine Bezeichnung des Mondauges und der Stoff, mit dem es gefüllt wird.

Die Treppe ist der zunehmende Mond: ein Gott je Tag, vierzehn Tage bis zum Vollmond. Die Reihe beginnt mit Month-Re-Harachte und geht über die heliopolitanische Neunheit — Atum, Schu, Tefnut, Geb, Nut, Osiris, Isis, Horus, Nephthys, ohne Seth — zu den Ortsgöttern: Hathor von Dendera, Horus von Edfu und an dreizehnter und vierzehnter Stelle Tjenenet und Iunit. Der Hymnus sagt dazu: „Tjenenet und Iunit sind an ihren Platz gekommen, so dass jeder von ihnen seinen Tag füllt.“ Den fünfzehnten Tag übernimmt Thot.

Die Prozession ist also aus zwei Herkünften zusammengesetzt — ein heliopolitanischer Kern, weil das Ritual „Füllen des Udjat-Auges“ aus Heliopolis stammt, und eine thebanisch-oberägyptische Ergänzung, in der die beiden Göttinnen von Armant den Abschluss bilden. Für Gottheiten, von denen sonst kaum mehr als der Name überliefert ist, ist das eine ungewöhnlich feste Stellung.

Lokal- & TiergötterKönigtum, Krieg & Schutz