Lokal- & TiergötterNil, Ernte & Fruchtbarkeitmittelmäßig belegt
Anuket
griechisch Anukis · ägyptisch ꜥnqt
Göttin des Katarakts und der Insel Sehel; „die Umarmende“, zuständig für das lebenspendende Wasser.
- Zuständig für
- Katarakt, Nilwasser, Gazelle
- Bezeugt
- Altes Reich bis Römerzeit
- Kultorte
- Sehel, Elephantine, Kumma und Semna in Nubien
- Familie
- Vater: Chnum
Mutter: Satet
Erscheinung
Frau mit hoher Federkrone (oft als Schilf oder Straußenfedern gedeutet); heiliges Tier ist die Gazelle.
Zur Person
Anuket komplettiert die Trias von Elephantine als Tochter. Ihre Federkrone ist in Ägypten ungewöhnlich und wird meist als nubischer Einfluss gedeutet — passend zur Grenzlage. Auf Sehel, wo der Fluss durch Granitblöcke schießt, stiftete man ihr über Jahrhunderte Felsinschriften; die Insel ist einer der dichtesten Fundplätze für Expeditionsgraffiti überhaupt.
Weit weg von Elephantine
Ein Befund passt nicht zum Bild der reinen Lokalgöttin: In den Wohnhäusern von Deir el-Medina ist Anuket bezeugt — im Arbeiterdorf der thebanischen Nekropole, rund 200 km flussabwärts von ihrem Kultgebiet. Sie steht dort neben Hathor, Ptah, Amun und den örtlichen Ahnen unter den Gottheiten, die im Haus verehrt wurden.
Der Fund ist bemerkenswerter, als er klingt. Hausreligion war zwar der Ort, an dem sich lokale Bindungen am ehesten zeigten; dass eine Katarakt-Göttin dabei bis nach Theben-West mitgeht, heißt aber, dass solche Bindungen mit den Menschen wanderten. Ob die Bewohner selbst aus dem Süden kamen, sagen die Quellen nicht — das wäre die naheliegende Erklärung, und genau deshalb steht sie hier als Frage.
Wie stark ihr Kult außerhalb des Katarakts war, lässt sich daraus nicht ableiten. Ein einzelner Siedlungsbefund belegt die Praxis, nicht ihre Verbreitung.
Lokal- & TiergötterNil, Ernte & Fruchtbarkeit