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Netjeru

Nachschlagewerk zum alten Ägypten: Götter, Orte, Objekte und Zeit — 201 Einträge, mit Quellen und Beleglage.

Lokal- & TiergötterKönigtum, Krieg & Schutzmittelmäßig belegt

Repit (Triphis)

griechisch Triphis

Löwenköpfige Herrin von Athribis, Gefährtin des Min — eine Göttin, die man erst 1840 überhaupt bemerkt hat.

Zuständig für
Herrin von Athribis, Sonnenauge
Bezeugt
Ptolemäer- und Römerzeit
Kultorte
Athribis (Hut-Repit) bei Sohag, Panopolis (Achmim)
Familie
Gefährte: Min (griechisch Pan)

Erscheinung

Frau mit Löwenkopf; auf einem Relief neben dem ithyphallischen Amun, wie sie die Huldigung Caracallas empfängt.

Eine Göttin, die niemand kannte

Repit ist ein Fall, in dem eine Gottheit erst durch eine Lesung entsteht. 1840 meldete Letronne „die Entdeckung einer Göttin Triphis“ — bis dahin war sie unbekannt, obwohl ihre Zeugnisse seit je herumlagen.

Unter Trajan wurde sie in Panopolis (Achmim) als Gefährtin des Pan verehrt; Pan ist die griechische Deutung des Min. Der Ort Athribis bei Sohag trägt seinen Namen nach ihr: Ḥwt-Rpjt, „Haus der Repit“.

Ein großer Tempel für eine unbekannte Göttin

Wilkinson erkannte westlich von Sohag zwischen unübersichtlichen Ruinen die Reste eines Tempels von beachtlicher Größe: 200 mal 175 Fuß, also rund 61 mal 53 Meter.

Sein Schluss daraus ist bezeichnend für die Lage: Nach den Maßen ihres Tempels zu urteilen, so Wilkinson, habe dieser Göttin die höchste Verehrung zugestanden — er räumt aber ein, weder ihre Attribute noch ihre Funktionen bestimmen zu können. Ein Bauwerk sagt, dass jemand wichtig war; es sagt nicht, wofür.

Wie sie aussieht

Sie ist löwenköpfig — dasselbe Merkmal, das sonst Sachmet trägt. Auf einem Relief steht sie neben dem ithyphallischen Amun und empfängt die Huldigung des Kaisers Caracalla.

Ihre Beinamenkette in einer Inschrift zieht mehrere Göttinnen zusammen: weiblicher Horus, Sachmet, Tefnut, „das Kind des weiblichen Re“, Auge des Re, „Königin aller Gottheiten“, „die große Göttin, Herrin von Panopolis“.

Ein Beiname, der zu weit gedeutet wurde

Zwei Inschriften — aus Panopolis und aus Krokodilopolis — nennen sie θεὰ μεγίστη, „größte Göttin“. Letronne hat daraus zu viel gemacht: Er hielt sie für die Ortsgottheit auch des Athribis im Delta und stützte das auf eine Weihinschrift von dort aus der Zeit Ptolemaios' XII. Gauthier widerspricht.

Der Fall ist ein Lehrstück über Epitheta. „Größte Göttin“ ist eine Anrede, keine Ortsangabe — dieselbe Warnung wie bei Pachet und Wosret, deren Namen ebenfalls wandern.

Der Name in Menschennamen

Dass ihr Kult trug, zeigt sich weniger an Tempeln als an Personennamen. Eine Frau auf einem Berliner Mumientäfelchen heißt Tatriphis; dieselbe Bildung erscheint in demotischen und griechischen Formen auf weiteren Etiketten.

Dazu kommt ein zweiter Name, der einen Beinamen bewahrt: Psentaterpit, gedeutet als „Sohn der Erbfürstin“ — tr-pjt, „die Erbfürstin“, als Bezeichnung der Göttin selbst.

Lokal- & TiergötterKönigtum, Krieg & Schutz