Schöpfung & UrzeitSonne, Himmel & GestirneKönigtum, Krieg & Schutzgut belegt
Tefnut
griechisch Tphenis · ägyptisch Tfnt
Göttin der Feuchtigkeit und Zwillingsschwester des Schu; zugleich prominenteste Gestalt des „fernen Sonnenauges“.

- Zuständig für
- Feuchte, Tau, Sonnenauge, Zorn und Versöhnung
- Bezeugt
- Pyramidentexte bis Römerzeit
- Kultorte
- Heliopolis, Leontopolis, Dendera
- Familie
- Vater: Atum
Bruder und Gefährte: Schu
Kinder: Geb und Nut
Erscheinung
Frau mit Löwenkopf und Sonnenscheibe; als Löwin; im Paar mit Schu als Doppellöwe (Ruti) an den Horizonten.
Erstes Götterpaar
Mit Schu bildet Tefnut das erste geschlechtlich differenzierte Paar der Schöpfung. Sie steht für das feuchte Element — Tau, Wolken, Ausdünstung —, das der Luft entgegengesetzt und mit ihr verbunden ist. Ihre Löwengestalt zeigt, dass „Feuchte“ hier nicht als Sanftheit, sondern als elementare Kraft gedacht ist.
Der Mythos vom Sonnenauge
Die Erzählung, in demotischen und griechischen Fassungen der Römerzeit vollständig erhalten: Tefnut zieht im Zorn nach Nubien und lebt dort als reißende Löwin. Die Welt verliert dadurch das Licht bzw. der Sonnengott sein Auge. Thot (in Gestalt eines kleinen Affen) wird ihr nachgeschickt und holt sie durch Geschichten, Schmeichelei und Fabeln zurück; unterwegs verwandelt sie sich Schritt für Schritt in die milde Katze. Die Rückkehr wurde in Nubien und Oberägypten mit rauschenden Festen gefeiert und erklärt zugleich die Rückkehr der Nilflut.
Warum das wichtig ist
Der Mythos liefert das Grundmuster für zahlreiche Löwengöttinnen — Sachmet, Bastet, Mut, Pachet, Menhit, Hathor als „Auge des Re“. Es ist immer dieselbe Struktur: gefährliche Kraft, die im Zorn entweicht, besänftigt und heimgeholt werden muss. Feste mit Trunkenheit und Musik sind dabei nicht Beiwerk, sondern Ritualtechnik.
Schöpfung & UrzeitSonne, Himmel & GestirneKönigtum, Krieg & Schutz