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Netjeru

Nachschlagewerk zum alten Ägypten: Götter, Orte, Objekte und Zeit — 201 Einträge, mit Quellen und Beleglage.

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Nehemetawai

„Die den Beraubten rettet“ — Gefährtin des Thot in Hermopolis, Schutzgöttin der Rechtlosen.

Nḥmt-ꜥwꜣjUmschrift
Zuständig für
Rechtsschutz, Fürsorge
Bezeugt
Neues Reich bis Römerzeit
Kultorte
Hermopolis Magna
Familie
Gefährte: Thot; auch Nehebkau
Sohn: Kolanthes (in Hermopolis)

Erscheinung

Frau mit Sistrum-förmigem Kopfaufsatz (Naos-Sistrum), Hathor-ähnlich.

Ein sprechender Name

Ihr Name ist ein ganzer Satz: „die den Beraubten schützt“. Das passt zum Rechtsbereich des Thot und macht sie zu einer der wenigen Gottheiten mit ausdrücklich sozialer Funktion. In römischer Zeit gehört sie zu einer Ortstrias von Hermopolis. Eigenständige Mythen fehlen.

Nicht nur in Hermopolis

Sie erscheint auch dort, wo Menschen mit einem Anliegen kamen: in der Dekoration des Osttempels von Karnak, des Tempels „Amun-Re, der die Gebete hört“. Neben ihr steht dort Rat-taui, deren Rolle beim Ablegen von Eiden für die Spätzeit gut bezeugt ist.

Laetitia Gallet zieht daraus einen Schluss, den sie ausdrücklich als Möglichkeit formuliert: Die Anwesenheit beider Göttinnen könnte darauf hindeuten, dass an den Schranken vor dem Tor Eide und Gelöbnisse abgelegt wurden. Der Bereich diente der Rechtsprechung, und ein Gott „mit offenen Ohren“ belohnt dort nach den Inschriften die wahre Rede und bestraft die Lüge.

Das ist mehr als ein Fundort. Es zeigt die Göttin nicht in einem Mythos, sondern im Betrieb: dort, wo ein Beraubter tatsächlich vorspricht.

Was der Name nicht hergibt

Die Verbindung mit Thot ist bezeugt, trägt aber weniger, als man vermuten würde. In Hermopolis ist sie ihm zugeordnet — nach Martin Stadler folgt diese Paarung jedoch dem allgemeinen Zug, Götter in Dreiheiten zu ordnen, und hat auf die Mythologie des Thot kaum Auswirkung.

Anders als bei Amun und Mut oder Horus und Hathor ist das Verhältnis für keinen der beiden wesentlich. Wer Nehemetawai als „Gemahlin des Thot“ einführt, gibt einer Systematisierung mehr Gewicht, als die Quellen ihr geben.

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