Lokal- & TiergötterNil, Ernte & FruchtbarkeitKönigtum, Krieg & Schutzgut belegt
Satet
griechisch Satis · ägyptisch Sṯt
Herrin von Elephantine und der Südgrenze; sie gießt das Wasser der Flut aus und empfängt den König an der Grenze.
- Zuständig für
- Nilflut, Südgrenze, Reinigung, Jagd
- Bezeugt
- Frühdynastisch bis Römerzeit
- Familie
- Gemahl: Chnum
Tochter: Anuket
Trias: Chnum – Satet – Anuket
Erscheinung
Frau mit der Weißen Krone, an der zwei Antilopenhörner seitlich angesetzt sind; oft mit Pfeil und Bogen oder Wasserkrügen.
Der älteste Tempel
Der Satettempel auf Elephantine ist archäologisch besonders wertvoll: Er entstand in der Frühzeit als schlichte Nische zwischen Granitfelsen und wurde über 3000 Jahre hinweg immer wieder überbaut — die deutschen Grabungen haben die Schichten Bau für Bau dokumentiert. Man kann dort die Entwicklung ägyptischer Sakralarchitektur vom Naturheiligtum zum Steintempel praktisch ablesen.
Wer ihr diente
Ihr Kult ist gut bezeugt, aber die Menschen darin sind es kaum. Ein ramessidisches Denkmal von Elephantine nennt sie „Satis die Große, Herrin von Elephantine“, und darunter steht ein Stifter: „der Sänger der Satis, Userhat“. Es ist bis heute der einzige namentlich bekannte Sänger der Satis überhaupt.
Auf einer anderen Stele von Elephantine erscheint sie in einer Sechserreihe hockender Götter — Amun, Ptah, Chnum, Satet, Anuket und Min —, also eingebettet zwischen die Reichsgötter statt für sich allein.
Diese Stele erzählt nebenbei etwas über den Ort. Ihr Stifter war Wab-Priester und Zeichner am Chnumtempel, stammte aber aus Memphis: Das verrät der Vorrang, den er dem Ptah einräumt, ebenso der Name seines Vaters und die Götternamen, die er zwei seiner Kinder gab. Elephantine war Grenzposten — und offenbar auch ein Ort, an den man versetzt wurde.
Aus der Zeit Thutmosis' III. stammt ein eigener Satettempel, dessen Blöcke erhalten sind; die Gesichtsprofile darauf ähneln denen der Stelen auffallend.
Grenzgöttin
Elephantine war Zollstation und Militärposten gegenüber Nubien. Satet begrüßt den heimkehrenden König und reinigt ihn mit Wasser aus vier Krügen. Ihr Name wird mit „ausgießen“ oder „schießen“ verbunden — beides passt zu Wasser und Grenzverteidigung.
Lokal- & TiergötterNil, Ernte & FruchtbarkeitKönigtum, Krieg & Schutz