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Die vier Horussöhne
Vier Schutzgötter der Eingeweide, deren Köpfe die Kanopenkrüge tragen — jeweils von einer Göttin bewacht.

- Zuständig für
- Schutz der Eingeweide, Himmelsrichtungen
- Bezeugt
- Pyramidentexte bis Römerzeit
- Kultorte
- Bestattungsritual im gesamten Land
- Familie
- Vater: Horus (teils Osiris)
Amset: Leber, Süden, geschützt von Isis
Hapi: Lunge, Norden, geschützt von Nephthys
Duamutef: Magen, Osten, geschützt von Neith
Kebehsenuef: Darm, Westen, geschützt von Serket
Erscheinung
Amset (Menschenkopf) · Hapi (Pavian) · Duamutef (Schakal) · Kebehsenuef (Falke). Als Mumien mit diesen Köpfen; auf Kanopendeckeln ab der 18. Dynastie.
Zweck
Bei der Mumifizierung wurden Leber, Lunge, Magen und Darm entnommen, separat getrocknet und in vier Krügen beigesetzt — das Herz blieb im Körper, das Gehirn wurde verworfen. Die vier Söhne des Horus garantieren, dass diese Teile nicht verloren gehen und der Körper im Jenseits vollständig ist. Die Zuordnung der Organe schwankt in älteren Quellen; ab dem Neuen Reich ist sie fest.
Namensbedeutungen
Amset („der Dill-artige“?, unsicher), Hapi (nicht identisch mit dem Nilgott gleichen Namens — ein häufiger Verwechslungsfall), Duamutef „der seine Mutter preist“, Kebehsenuef „der seine Brüder erfrischt“. Die Bezüge zu Wasser und Kühlung passen zur Konservierungsaufgabe.
Nicht nur Organe
Die Zuständigkeit für Leber, Lunge, Magen und Darm ist die bekannte Fassung — sie ist aber nicht die einzige. Ein Relief aus dem thebanischen Grab TT 163 (Amenemhet, 19. oder 20. Dynastie; heute British Museum EA 55336) zeigt die vier bei einer ganz anderen Aufgabe.
Der Grabherr kniet und verehrt sie, und jeder überreicht ihm einen Bestandteil seiner Person:
| überreicht | |
|---|---|
| Amset | das Herz (jb) |
| Hapi | den Ba |
| Duamutef | den Ka |
| Kebehsenuef | den Leichnam (ẖꜣt), dargestellt als gewickelte Mumie |
Damit verschiebt sich, wofür die vier eigentlich stehen. Nicht die Eingeweide sind hier das Thema, sondern die Vollständigkeit des Menschen — und die vier Söhne garantieren sie. Die Organe sind ein Sonderfall dieser allgemeineren Aufgabe, nicht umgekehrt.
Bemerkenswert ist auch die Auswahl: Herz, Ba, Ka und Leichnam sind nicht die vier Teile, die eine ägyptische Aufzählung von sich aus nennen würde — Name und Schatten fehlen. Wer eine feste Vierergliederung des Menschen sucht, findet sie auch hier nicht.
Die drei Tierköpfe sind nicht verbindlich
Die vertraute Aufteilung — ein Menschenkopf, drei Tierköpfe — ist die übliche Fassung des Neuen Reiches, nicht die einzige. Es gibt Darstellungen, in denen alle vier vollständig menschengestaltig erscheinen; im Grab des Eje im Westtal ist das der Fall.
Die Horussöhne sind damit ein gutes Beispiel für eine allgemeine Eigenheit: Eine starr festgelegte Ikonographie war in Ägypten die Ausnahme. Selbst dort, wo eine Darstellungsweise fest eingespielt ist, kommen Abweichungen vor. Wer aus einem einzelnen Bild auf die Regel schließt, oder aus der Regel auf jedes Bild, liegt regelmäßig daneben.
Kanopen
Der Begriff „Kanope“ ist ein Irrtum der frühen Ägyptologie: Er stammt vom griechischen Ortsnamen Kanopos, wo man einen krugförmigen Osiris verehrte. Die Krüge selbst haben mit dem Ort nichts zu tun. In der Dritten Zwischenzeit legte man die Organe teils wieder in den Körper zurück und stellte trotzdem leere Kanopen auf — die Form war wichtiger als die Funktion.
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