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Netjeru

Nachschlagewerk zum alten Ägypten: Götter, Orte, Objekte und Zeit — 201 Einträge, mit Quellen und Beleglage.

Vergöttlichte MenschenWissen, Schrift & Magiegut belegt

Imhotep

griechisch Imuthes, mit Asklepios gleichgesetzt · ägyptisch Jj-m-ḥtp

Baumeister der Stufenpyramide, später vergöttlichter Heilgott — der bekannteste Aufstieg eines Menschen zum Gott in Ägypten.

Jj-m-ḥtpUmschrift
Kleine sitzende Bronzefigur vor hellgrauem Hintergrund, frontal aufgenommen. Der Mann trägt eine glatte, eng anliegende Kappe, die die Ohren frei lässt; Augenbrauen und Augenränder sind mit einem helleren Metall eingelegt, die Augäpfel hell abgesetzt. Der Oberkörper ist unbekleidet und schlicht modelliert. Über den Oberschenkeln liegt waagerecht eine ausgerollte Schriftrolle, deren beide Enden zu Spiralen eingedreht sind; die Hände fassen sie an den Seiten. Darunter fällt ein glatter Schurz bis über die Knie. Die Füße stehen nebeneinander auf einer schmalen Platte, die Zehen sind einzeln ausgearbeitet; die Figur sitzt auf einem kastenartigen Stuhl ohne Lehne und steht auf einem massiven, dunklen Sockel. Die Oberfläche ist dunkelgrün patiniert und stellenweise heller ausgewaschen.
Zuständig für
Heilkunde, Architektur, Weisheit, Schreibkunst
Bezeugt
Lebte um 2650 v. Chr.; Kult ab der Spätzeit, Blüte in griechisch-römischer Zeit
Kultorte
Sakkara, Memphis, Theben (Deir el-Bahari), Philae
Familie
Vater (historisch): Kanofer
Vater (kultisch): Ptah
Mutter: Chereduanch
Schwester (kultisch): Renpetneferet

Erscheinung

Sitzender Mann mit Kappe, entrollte Papyrusrolle auf den Knien, schlichtes langes Gewand — bewusst als Schreiber, nicht als König dargestellt.

Der historische Imhotep

Er war Wesir des Königs Djoser (3. Dynastie) und gilt als Planer der Stufenpyramide von Sakkara — des ersten monumentalen Steinbaus der Weltgeschichte. Sein Name mit vollem Titelapparat steht auf einer Statuenbasis Djosers, was für einen Beamten außergewöhnlich ist. Sein Grab ist bis heute nicht gefunden.

Die Vergöttlichung

Über zwei Jahrtausende wächst sein Ansehen: erst Schutzpatron der Schreiber, dann Weiser, schließlich ab der Spätzeit vollwertiger Gott mit Tempeln, Priesterschaft und Festkalender. Die Griechen setzten ihn mit Asklepios gleich; das Asklepieion bei Sakkara zog Kranke an, die dort im Tempel schliefen, um Heilträume zu empfangen (Inkubation). Solche Traumberichte sind auf Ostraka erhalten.

Der älteste Mensch, aber nicht der älteste Kult. Imhotep ist der historisch früheste Fall eines vergöttlichten Menschen und am Ende derjenige, der den wirklichen Göttern am nächsten kam. Regelrechte Vergöttlichung ist jedoch erst im Mittleren Reich bezeugt — mit Heqaib auf Elephantine und Isi in Edfu. Zwischen dem Leben und dem Kult liegen also nicht nur Jahrhunderte, sondern die Entstehung der Sache selbst.

Wie andere vergöttlichte Menschen bekam er göttliche Eltern: Imhotep und seine Schwester Renpetneferet galten als Kinder des Ptah. Aus ptolemäischer Zeit ist zudem eine Liste von Festdaten erhalten, die sich auf Ereignisse seines Lebens und seines Todes beziehen (Statuenbasis BM 512) — der Kult hatte einen eigenen Jahreslauf.

Ägypten kennt zwei Wege zur Vergöttlichung eines Menschen, und Imhotep steht für den einen. Sein Weg führt über Leistung — Amt, Bauwerk, Weisheit, nachwirkender Ruf; ebenso bei Amenhotep, Sohn des Hapu, und bei Heqaib. Der andere Weg führt über die Todesart: Peteese und Pihor ertranken im Nil und wurden allein deshalb geheiligt, weil der Tod im Wasser dem Osiris ähnlich macht. Im ersten Fall wird ein Leben belohnt, im zweiten ein Sterben.

Ein Vorbehalt zur Überlieferung

Dass solche Kulte in der Spätzeit und der griechisch-römischen Epoche sprunghaft zunehmen, ist teilweise eine Täuschung der Quellenlage. Vergöttlichte Menschen bekamen nur dann steinerne Denkmäler, wenn ihr Kult königliche Förderung fand; die meisten Tempel und Schreine bestanden aus Lehmziegeln und sind nicht auf uns gekommen. Ein zweiter Zugang sind theophore Personennamen — sie legen nahe, dass die Vergöttlichung von Menschen auch in früheren Epochen weiter verbreitet war als bislang bekannt.

Imhotep ist damit auch ein Maßstabsproblem: Er ist auch deshalb so gut bezeugt, weil sein Kult Förderung fand und in Stein festgehalten wurde — nicht, weil er der einzige seiner Art gewesen wäre.

Was ihm zugeschrieben wird

Vorsicht ist geboten bei der populären Zuschreibung medizinischer Texte: Der Edwin-Smith-Papyrus, ein chirurgisches Handbuch, wird gelegentlich mit ihm verbunden, ohne dass es dafür einen Beleg gibt. Auch die ihm zugeschriebene Lebenslehre ist nicht erhalten. Was bleibt, ist ein sicher bezeugter Bauherr und ein sicher bezeugter Kult — dazwischen liegt Legendenbildung.

Vergöttlichte MenschenWissen, Schrift & Magie