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Netjeru

Nachschlagewerk zum alten Ägypten: Götter, Orte, Objekte und Zeit — 201 Einträge, mit Quellen und Beleglage.

Lokal- & TiergötterNil, Ernte & FruchtbarkeitKönigtum, Krieg & Schutzgut belegt

Sobek

griechisch Suchos · ägyptisch Sbk

Krokodilgott des Fayum und von Kom Ombo — Herr des Wassers, gefürchtet und zugleich als Lebensspender verehrt.

SbkUmschrift
Unregelmäßig gebrochener Kalksteinabschlag mit einer Zeichnung in roter und schwarzer Tusche. Ein Mann schreitet im Profil nach rechts; sein Kopf ist der eines Krokodils mit langer Schnauze. Auf dem Kopf sitzt eine Scheibe mit aufgerichteter Schlange, darüber zwei hohe Federn. Er trägt einen kurzen gefältelten Schurz und einen gemusterten Brustschmuck; in der vorgestreckten Hand hält er einen Stab. Links im Bild ragt ein hoher, gefiederter Stengel auf.
Zuständig für
Wasser, Fruchtbarkeit, Königsmacht, Schutz vor Wassergefahr
Bezeugt
Pyramidentexte bis Römerzeit
Kultorte
Schedet/Krokodilopolis im Fayum, Kom Ombo, Gebelein, Sumenu bei Theben
Familie
Mutter: Neith
Gefährtinnen: Renenutet, Hathor
Sohn: Chons-Hor (Kom Ombo)

Erscheinung

Krokodil; krokodilköpfiger Mann mit Federkrone, Hörnern und Sonnenscheibe (als Sobek-Re).

Gefahr und Verehrung

Krokodile töteten jedes Jahr Menschen und Vieh. Die ägyptische Antwort war nicht Bekämpfung, sondern Einbindung: Was man nicht beherrschen kann, macht man zum Gott und stellt es damit in die Ordnung. Sobek ist deshalb gleichzeitig Bedrohung und Beschützer — er greift die Feinde des Sonnengottes an und schützt den, der ihm opfert.

Das Fayum

Im Fayum, dem großen Seengebiet westlich des Nils, war Sobek Hauptgott. Die Könige der 12. Dynastie, die das Becken durch Kanalbau erschlossen, förderten seinen Kult; Namen wie Sobekhotep und Sobeknofru (die erste sicher belegte weibliche Alleinherrscherin Ägyptens) zeigen das. In ptolemäisch-römischer Zeit hielt man in Schedet ein heiliges Krokodil namens Petesuchos, das geschmückt und gefüttert wurde. Strabon beschreibt einen Besuch bei diesem Tier — samt Kuchen, Wein und Fleisch, die Touristen mitbrachten.

Nicht ein Sobek, sondern viele

Fayum und Kom Ombo sind die bekannten Orte — sie sind nicht die einzigen. Kleine Zylindersiegel des Mittleren Reichs tragen regelmäßig eine Formel nach dem Muster „Sobek, Herr von …“, und die eingesetzten Orte streuen über das ganze Land: von Ombos im Süden bis in die Mareotis, die Gegend des späteren Alexandria, aus der sonst kaum etwas aus dieser Zeit erhalten ist.

Auch einzelne Denkmäler zählen mehrere Sobeks nebeneinander auf. Ein Reliefstück aus Krokodilopolis nennt hintereinander den Herrn von Gerg-baf, den von Ro-sehui (Lahun), den von Krokodilopolis und den von Djedu; ein Opfertisch Amenemhets III. tut Ähnliches.

Jean Yoyotte hat daraus einen Schluss gezogen, der über die Aufzählung hinausgeht. Die Gleichförmigkeit der Objekte steht in auffälligem Gegensatz zur Zersplitterung der genannten Heiligtümer. Er sieht darin eine abgestimmte Anstrengung, den Gott in allen seinen Formen und an allen seinen Orten zugleich zu erhöhen — nicht viele lokale Zufälle, sondern ein Programm der späten 12. und der 13. Dynastie.

Ein Name in diesen Listen fällt aus der Reihe und tut es doch nicht: An einer Stelle steht statt eines Sobek der Gott von Athribis. Das ist keine Ausnahme, denn der spätere „Horus-Chentechtai“ war ursprünglich selbst ein Krokodilgott.

Kom Ombo

Der Doppeltempel von Kom Ombo ist symmetrisch zweigeteilt: die südliche Hälfte für Sobek mit Hathor und Chons-Hor, die nördliche für Haroeris mit Tasenetnofret und Panebtaui. Zwei vollständige Kultbetriebe unter einem Dach — architektonisch einzigartig. Ein Relief dort zeigt eine Reihe von Instrumenten, die häufig als chirurgisches Besteck gedeutet wird; die Deutung ist plausibel, aber nicht gesichert.

Krokodilmumien

Aus Fayum-Nekropolen stammen Zehntausende mumifizierter Krokodile, vom Ei bis zum ausgewachsenen Tier. In der Kartonage einiger Mumien fand man beschriebene Papyri als Füllmaterial — darunter bedeutende griechische Texte, die auf diesem Umweg erhalten blieben.

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