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Netjeru

Nachschlagewerk zum alten Ägypten: Götter, Orte, Objekte und Zeit — 201 Einträge, mit Quellen und Beleglage.

Königtum, Krieg & SchutzLokal- & Tiergöttermittelmäßig belegt

Onuris / Anhur

griechisch Onuris, mit Ares gleichgesetzt · ägyptisch Jn-ḥrt

„Der die Ferne zurückbringt“ — Jäger- und Kriegsgott, der die entflohene Sonnenaugengöttin aus Nubien heimholte.

Jn-ḥrtUmschrift
Stehende Bronzefigur mit grüner Patina auf einer Standplatte, ein Bein vorgesetzt. Der Mann trägt ein langes, fein senkrecht geripptes Gewand und einen breiten Halskragen. Ein Arm ist angewinkelt erhoben, die Hand zur leeren Faust geschlossen; der andere ist vor dem Bauch angewinkelt. Auf dem Kopf sitzt auf niedrigem Untersatz eine Krone aus vier hohen Federn mit fischgrätartiger Gliederung.
Zuständig für
Jagd, Krieg, Rückholung des Sonnenauges
Bezeugt
Altes Reich bis Römerzeit
Kultorte
This/Thinis bei Abydos, Sebennytos (Tjeb-netjer) im Delta
Familie
Gefährtin: Mehit (Löwin)
Verschmelzung: Onuris-Schu

Erscheinung

Bärtiger Mann mit vier hohen Federn auf dem Kopf, langem Gewand, Speer oder Seil in der erhobenen Hand — die einzige größere Gottheit, die regelmäßig mit erhobener Waffe schreitet.

Der Zurückholer

Sein Name beschreibt eine Handlung: das Zurückbringen der „Fernen“, also der zornig nach Nubien entwichenen Sonnenauge-Göttin. Damit ist Onuris die männliche Hauptfigur eines der wichtigsten ägyptischen Mythen und wird austauschbar mit Schu oder Thot in dieser Rolle. Sein Speer und seine Fangleine gehören zum Jagdmotiv: Die Göttin wird eingefangen wie ein Wildtier.

Die vier Federn als Erkennungszeichen

Die vier hohen, schmalen Federn sind kein Schmuck, sondern das Merkmal, an dem Onuris identifiziert wird. Wo sie stehen, ist er gemeint.

Und sie tauchen an einer unerwarteten Stelle wieder auf: an Kronen Amenophis’ IV. im östlichen Karnak, also aus der Frühzeit des späteren Echnaton. Gedeutet wird das als Anspielung auf seine Nähe zu Schu — dem Gott, mit dem Onuris zu Onuris-Schu verschmilzt und dessen Rolle im Sonnenauge-Mythos er teilt.

Der König greift damit nicht auf Onuris zurück, sondern auf dieselbe Bildformel: Vier Federn stehen für den, der die Luft und den Raum zwischen Himmel und Erde beherrscht.

Politische Rolle

Als Bezwinger von Feinden ist Onuris ein beliebter Kriegsgott, besonders in der Spätzeit. Die Könige der 30. Dynastie aus Sebennytos machten ihn zu ihrem Hausgott; Nektanebos II. baute ihm dort einen großen Tempel, von dem nur wenig erhalten ist.

Königtum, Krieg & SchutzLokal- & Tiergötter