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Netjeru

Nachschlagewerk zum alten Ägypten: Götter, Orte, Objekte und Zeit — 201 Einträge, mit Quellen und Beleglage.

PersonifikationenSonne, Himmel & Gestirnedünn belegt

Die vier Windgötter

Vier Himmelsrichtungen als Windwesen; der Nordwind gilt als angenehmster und wird am häufigsten angerufen.

Zuständig für
Wind, Himmelsrichtungen, Atem
Bezeugt
Vierzahl der Winde spätestens im Totenbuch des Neuen Reichs; benanntes Vierergespann erst griechisch-römisch
Kultorte
Darstellungen vor allem in ptolemäisch-römischen Tempeln (Edfu, Dendera, Esna)
Familie
Nähe: Schu als Luftgott übergeordnet

Erscheinung

Qebui (Nord): widderköpfig, meist vierköpfig und geflügelt · Henchisesui (Ost): käferköpfig · Schehbui (Süd): löwenköpfig · Hutchai (West): schlangenköpfig. Alle geflügelt.

Einordnung

Die vier Winde als durchkomponiertes Vierergespann sind ein spätes theologisches System, sichtbar vor allem an Tempeldecken. Älter und volkstümlicher ist die Verehrung des kühlen Nordwinds allein: „Möge er den süßen Hauch des Nordwinds atmen“ gehört zu den Standardwünschen auf Grabstelen seit dem Alten Reich. Die Beleglage für die ausgeführte Vierergruppe ist auf wenige Tempel beschränkt.

Die Himmelsrichtungen haben daneben eigene Gestalten, die älter und besser belegt sind als das Windquartett: Iabet, „die Östliche“, als Personifikation der Morgenröte, ihr Gegenstück Imentet für den Westen, und Ha als Gott der Westwüste. Wer die vier Winde als das ägyptische Richtungssystem liest, übersieht, dass es mehrere nebeneinander gab.

Der Spruch, der den Himmel aufbricht

Die ältere Schicht hat einen festen Text: Totenbuch-Spruch 161. Er heißt „Spruch vom Aufbrechen einer Öffnung am Himmel“, und er wird nicht von den Winden gesprochen, sondern von Thot — er vollzieht ihn über Wenennefer, also über Osiris.

Die Vorstellung ist konkret: Vier Öffnungen werden in den Himmel gebrochen, eine je Windrichtung. Und die Aufgabe jedes Windes ist mit einem Satz benannt — er soll in die Nase des Toten eintreten. Wind ist hier kein Wetter, sondern Atemluft: Der Verstorbene bekommt buchstäblich wieder Luft.

Deshalb steht der Spruch auf Särgen, und zwar auf allen vier Seiten. Seit der Zweiten Zwischenzeit erscheint Thot rings um den Sarg, viermal, und öffnet den Himmel nach jeder Richtung. Die Vignette zeigt ihn mit den vier Himmelsstützen.

Ein Vierersystem gab es also lange vor den Tempeldecken — rund tausend Jahre früher, im Bestattungsritual statt in der Tempeltheologie. Ob die Widder-, Käfer-, Löwen- und Schlangenköpfe von Edfu und Dendera aus dieser Formel hervorgehen oder unabhängig entstanden, ist damit nicht gesagt; nur, dass die Vierzahl nicht erst griechisch-römisch ist.

Zur Umschrift

Dieser Eintrag führt keine Umschrift, weil sich nur eine der vier gesichert angeben lässt: der Nordwind als Qbwj. Für Henchisesui, Schehbui und Hutchai kursieren eingedeutschte Formen, deren Umschrift hier nicht belegt werden konnte. Eine Angabe für die Gruppe wäre entweder unvollständig oder geraten — beides wäre schlechter als keine.

PersonifikationenSonne, Himmel & Gestirne