Nil, Ernte & FruchtbarkeitHaus, Geburt & Alltaggut belegt
Renenutet
griechisch Thermuthis · ägyptisch Rnnwtt
Kobragöttin der Ernte und der Vorratshaltung; zugleich Amme, die dem Kind Namen und Schicksal gibt.
- Zuständig für
- Ernte, Speicher, Stillen, Schicksal
- Bezeugt
- Altes Reich bis Römerzeit
- Kultorte
- Terenuthis (Kom Abu Billo) im Delta, Medinet Madi im Fayum, Feldkapellen an Tennen
- Familie
- Sohn: Nepri (Korn)
Gefährte: Sobek (Fayum) oder Geb
Nähe: Schai (Schicksal)
Erscheinung
Aufgerichtete Kobra, oft mit Sonnenscheibe; als Frau mit Schlangenkopf, gelegentlich ein Kind säugend.
Warum eine Schlange
Kobras leben in Kornspeichern, weil dort Mäuse sind. Aus dieser Alltagsbeobachtung wird eine Göttin: Die Schlange im Speicher schützt den Vorrat. Bei der Ernte errichtete man kleine Altäre an der Tenne und bekränzte sie. Sie ist damit eine der wenigen Gottheiten mit unmittelbar bäuerlichem Ursprung.
Name und Schicksal
Der Name hängt mit rnn „aufziehen, säugen“ und rn „Name“ zusammen. Renenutet ist bei der Geburt anwesend und bestimmt mit dem Namen zugleich das Los. In Totengerichtsdarstellungen erscheint sie deshalb neben Schai und Meschenet: Man wird nach dem beurteilt, was aus dem Zugeteilten geworden ist.
Medinet Madi
Der Tempel von Medinet Madi (Mittleres Reich, ptolemäisch ausgebaut) ist eines der wenigen fast vollständig erhaltenen Heiligtümer des Mittleren Reichs und Renenutet zusammen mit Sobek geweiht. In der Kaiserzeit heißt sie Thermuthis; ihr Name steckt möglicherweise in der bei Josephus überlieferten Pharaonentochter-Namensform der Mosegeschichte — ein Hinweis auf ihre Popularität, mehr nicht.
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