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Netjeru

Nachschlagewerk zum alten Ägypten: Götter, Orte, Objekte und Zeit — 201 Einträge, mit Quellen und Beleglage.

Totenreich & OsiriskreisHaus, Geburt & Alltaggut belegt

Nephthys

griechisch Nephthys · ägyptisch Nbt-ḥwt

„Herrin des Hauses“ — Schwester der Isis, Gattin des Seth und mit Isis das Klagepaar am Totenbett.

Nbt-ḥwtUmschrift
Stehende Amulettfigur aus grüntürkiser Fayence auf einer kleinen Platte. Die Frau trägt eine lange Strähnenperücke, die beidseits auf die Schultern fällt, und ein enges knöchellanges Kleid; die Arme liegen dicht am Körper. Auf dem Kopf steht ein schmaler aufrechter Pfeiler, darüber ein breiter, flach ausschwingender Korb mit geflochtenem Muster. An abgeplatzten Stellen tritt der rötliche Scherben hervor.
Zuständig für
Trauer, Schutz des Sarges, Nacht und Dämmerung, Geburtshilfe
Bezeugt
Pyramidentexte bis Römerzeit
Kultorte
Kein großer eigener Tempel; Kapellen in Heliopolis, Abydos, Komir bei Esna
Familie
Vater: Geb
Mutter: Nut
Gemahl: Seth
Sohn: Anubis (nach einer verbreiteten, aber nicht durchgängigen Tradition)
Kanopen: schützt Hapi

Erscheinung

Frau mit der Hieroglyphengruppe „Herrin des Hauses“ (Korb über Gebäudegrundriss) auf dem Kopf; geflügelt an den Ecken von Sarkophagen; als Milan.

Die Gegenfigur

Nephthys ist strukturell die Ergänzung zu Isis: Isis ist Ehe, Fruchtbarkeit, Tag und Sichtbarkeit — Nephthys das Unfruchtbare, die Nacht, der Rand. Plutarch drückt das als Gegensatz „Bewohntes / Wüste“ aus. Die Ägypter verstanden das nicht als Abwertung: Man braucht beide Seiten, und im Totenkult sind sie unzertrennlich.

Loyalität

Obwohl mit Seth verheiratet, stellt sich Nephthys bei der Ermordung des Osiris auf die Seite der Geschwister und sucht mit Isis den Leichnam. Sie ist damit eine der wenigen Gestalten, die eine Loyalitätsentscheidung gegen die eigene Ehe treffen — der Mythos wertet das eindeutig positiv.

Die andere Überlieferung

Der Abschnitt oben folgt der geläufigen Fassung. Daneben steht eine zweite, die seltener erzählt wird und das Verhältnis zu Osiris ganz anders bestimmt.

Nach ihr hatte Osiris ein Verhältnis mit Nephthys, und Seth tötete ihn nicht aus Machtgier, sondern zur Vergeltung dafür. Aus dieser Verbindung ging Anubis hervor — was erklärt, warum mehrere Texte ihn als Sohn des Osiris und der Nephthys führen und er gelegentlich sogar als dessen ältester Sohn erscheint, älter also als Horus.

Beide Fassungen sind überliefert, und sie lassen sich nicht miteinander verrechnen. Die eine macht Nephthys zur loyalen Schwester, die gegen ihre Ehe entscheidet; die andere macht sie zur Beteiligten an dem Ehebruch, der den Mord auslöst. Wer eine davon als „den Mythos“ ausgibt, unterschlägt die andere.

Die Belege für die zweite Fassung sind spät und teils demotisch. Das entwertet sie nicht — es datiert sie. Für die Vorstellungen des Alten Reichs sagt sie nichts aus.

Im Bestattungsritual

Zwei Frauen verkörperten bei Begräbnissen die „beiden Milane“ und standen an Kopf- und Fußende. Auf Sarkophagen breitet Nephthys ihre Flügel über das Kopfende, Isis über das Fußende. In den Kanopenschreinen bewacht sie Hapi mit den Lungen.

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