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Netjeru

Nachschlagewerk zu den Göttern und Mythen des alten Ägypten — 134 Einträge, mit Quellen und Beleglage.

Haus, Geburt & AlltagKönigtum, Krieg & SchutzLokal- & Tiergöttergut belegt

Bastet

griechisch Bubastis · ägyptisch Bꜣstt

Katzengöttin von Bubastis — Schutzherrin von Haus, Frauen und Kindern; ursprünglich selbst löwengestaltig.

BꜣsttUmschrift
Stehende Frauenfigur aus Bronze mit rotbrauner Patina, auf einer flachen Standplatte. Der Kopf ist der einer Katze mit aufrecht stehenden spitzen Ohren; die Augen sind mit hellem Metall eingelegt und heben sich glänzend ab. Sie trägt ein enges, knöchellanges Kleid mit feinen senkrechten Rippen und Reihen von Punktverzierung, dazu einen Halskragen. Beide Arme sind angewinkelt, die Hände halten vor der Brust einen kleinen Gegenstand.
Zuständig für
Haus und Familie, Fruchtbarkeit, Musik und Fest, Abwehr von Schlangen
Bezeugt
2. Dynastie bis Römerzeit
Kultorte
Bubastis (Per-Bastet, Tell Basta), Memphis, Sakkara (Katzenfriedhöfe)
Familie
Vater: Re
Sohn: Mihos (Maahes)
Gegenpol: Sachmet

Erscheinung

Frau mit Katzenkopf, meist mit Sistrum, Aegis (Halskragen mit Löwenkopf) und Korb; oft mit Kätzchen zu Füßen. Ältere Darstellungen zeigen sie löwenköpfig.

Von der Löwin zur Katze

Bis ins Neue Reich ist Bastet löwengestaltig und kaum von Sachmet zu unterscheiden. Erst ab etwa der 22. Dynastie — als libysche Herrscher Bubastis zur Residenz machten — setzt sich die Hauskatze durch. Damit verschiebt sich auch das Wesen: aus der gefährlichen Kriegerin wird die schützende, aber jederzeit zum Krallen fähige Hausgöttin. Die Ägypter dachten Sachmet und Bastet als zwei Zustände derselben Kraft.

Das Fest von Bubastis

Herodot beschreibt es als größtes Fest Ägyptens: Boote voller Menschen fahren flussabwärts, Frauen musizieren und rufen Spott zu den Uferorten hinüber, und in Bubastis werde mehr Wein getrunken als im ganzen restlichen Jahr. Er nennt 700.000 Teilnehmer — sicher übertrieben, aber die archäologischen Befunde zeigen tatsächlich eine sehr große Anlage.

Katzenmumien

In Bubastis, Sakkara, Speos Artemidos und anderswo wurden Millionen Katzen mumifiziert und als Votivgaben verkauft. Röntgenuntersuchungen zeigen, dass viele Tiere jung getötet wurden — es gab eine regelrechte Zuchtindustrie. Im 19. Jahrhundert verschiffte man tonnenweise Katzenmumien nach England, wo sie als Dünger vermahlen wurden. Der Umgang mit heiligen Tieren war also ökonomisch, nicht sentimental.

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