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Netjeru

Nachschlagewerk zu den Göttern und Mythen des alten Ägypten — 134 Einträge, mit Quellen und Beleglage.

Schöpfung & UrzeitNil, Ernte & FruchtbarkeitHaus, Geburt & Alltaggut belegt

Chnum

griechisch Chnumis · ägyptisch ẖnmw

Der Töpfergott von Elephantine, der Menschen und ihren Ka auf der Töpferscheibe formt und die Nilflut aus den Höhlen des Katarakts freigibt.

ẖnmwUmschrift
Stehende Amulettfigur aus türkisfarbener Fayence: ein Mann mit dem Kopf eines Widders. Die Hörner schwingen waagerecht zu beiden Seiten aus dem Kopf heraus, die Schnauze ist breit. Der Oberkörper ist nackt, um die Hüften liegt ein gefältelter Schurz. Die Arme hängen seitlich herab, die Figur steht auf einer angearbeiteten Platte. In den Vertiefungen hat sich die Glasur dunkel abgesetzt.
Zuständig für
Menschenschöpfung, Nilquelle, Töpferei, Zeugung
Bezeugt
Pyramidentexte bis Römerzeit; Esna-Tempel noch 3. Jh. n. Chr.
Kultorte
Elephantine (Abu), Esna (Iunyt/Latopolis), Antinoopolis, Hypselis
Familie
Gefährtinnen: Satet und Anuket (Elephantine); Menhit und Nebtu (Esna); Heket
Sohn: Heka (in Esna)
Trias: Chnum–Satet–Anuket

Erscheinung

Widderköpfiger Mann; die ältere Form zeigt das ausgestorbene Schaf Ovis longipes mit waagerecht gedrehten Hörnern, die jüngere den Hausschafbock mit eingerollten Hörnern. Oft an der Töpferscheibe mit zwei kleinen Menschenfiguren.

Der Töpfer

Chnum formt auf der Töpferscheibe nicht nur den Körper des Kindes, sondern auch dessen Ka — den Lebenskraft-Doppelgänger. In der Geburtslegende Hatschepsuts (Deir el-Bahari) und Amenhoteps III. (Luxor) ist genau diese Szene abgebildet: Chnum dreht Kind und Ka, Heket hält ihnen das Anch-Zeichen an die Nase. Damit ist er der Gott, der für die körperliche Individualität jedes Menschen zuständig ist.

Herr der Nilflut

Nach ägyptischer Vorstellung entsprang der Nil aus zwei Höhlen unter Elephantine, und Chnum kontrollierte deren Öffnung. Die sogenannte Hungersnotstele auf Sehel (ptolemäisch, angeblich eine Urkunde des Djoser) erzählt von sieben Hungerjahren, die enden, als der König Chnum wieder ordentlich beschenkt — ein Text, der auch für die Frage nach Parallelen zur Josefserzählung diskutiert wird, ohne dass sich ein Abhängigkeitsverhältnis belegen ließe.

Esna

Der spätzeitliche Chnumtempel von Esna ist eine der wichtigsten Quellen überhaupt für ägyptische Theologie der Römerzeit: Er enthält lange kosmogonische Hymnen, ein Kryptogramm-Repertoire (Texte, die fast nur aus Widder- bzw. Krokodilzeichen bestehen) und einen ausführlichen Festkalender. Hier ist Chnum uneingeschränkter Schöpfergott.

Schöpfung & UrzeitNil, Ernte & FruchtbarkeitHaus, Geburt & Alltag