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Netjeru

Nachschlagewerk zum alten Ägypten: Götter, Orte, Objekte und Zeit — 201 Einträge, mit Quellen und Beleglage.

Ort · Oberägyptengut belegt

Medamud

Mꜣdwheute: Nagʿ el-Madamud

Month-Heiligtum nordöstlich von Karnak — und über zwei Jahrtausende hinweg eine Töpferstadt, deren Öfen länger brannten als der Tempel stand.

Zeitraum
Mittleres Reich bis byzantinische Zeit
Region
Oberägypten
Hauptgottheiten
Month (Montu-Re, Herr von Theben, Stier von Medamud)
Bauten
Month-Tempel mit augusteischer Umfassungsmauer · Dromos mit Sphingenallee zu einem Kai · Tribüne aus Sandstein, 16,20 × 13,40 m · Tore der frühen Ptolemäer (heute in Lyon) · Tor des Tiberius · Mindestens drei Töpferofen-Bezirke

Einer der vier Month-Orte

Medamud liegt nordöstlich von Karnak und gehört zu den Kultorten des Month. Die Weihinschrift eines ptolemäischen Tores nennt den Gott in der Form, die den Ort meint: „Montu-Re, Herr von Theben, Stier, der in Medamud residiert“.

Diese Vervierfachung ist theologisch aufgeladen. Das Tor des Tiberius und weitere ptolemäische Texte setzen die vier Month mit den männlichen Göttern der Urpaare gleich — also mit der Achtheit. Deshalb steht an den Toren von Medamud die Urgötterreihe, und deshalb taucht der Ort im Zusammenhang mit Kek und den Urgottheiten auf.

Bemerkenswert ist die Formelsprache derselben Inschrift: Ptolemaios III. und Berenike lassen dort eine „Erneuerung des Monuments“ eintragen — ohne jede Anspielung auf einen Vorgänger. Der Handelnde ist allein der regierende König; das „Erneuern“ sagt über den Vorgängerbau nichts aus.

Wie hier gegraben wurde

Zwischen 1925 und 1940 grub die IFAO in Medamud, und zwar auf Wunsch des Louvre; die Leitung hatten zuerst F. Bisson de La Roque, dann Cl. Robichon. Gearbeitet wurde auf einer kleinen Fläche des antiken Kôms: am Tempel, seinen Fundamenten, dem von der augusteischen Umfassungsmauer eingeschlossenen Raum und am Dromos entlang bis zur Tribüne.

Die Tore der frühen Ptolemäer stehen heute nicht in Ägypten, sondern wiederaufgebaut im Musée des Beaux-Arts in Lyon — zusammengesetzt nach den fotografischen Montagen Robichons.

Nach langer Unterbrechung nahm die Mission 2011 die Arbeit wieder auf, jetzt gemeinsam mit der Sorbonne. Der Prospektionsdurchgang von 2014/15 legte ein Raster von 20 × 20 m über den Hügel und untersuchte zehn Zonen auf rund 1,5 Hektar — mit Geophysik und Keramikbegehung statt mit dem Spaten.

Eine Töpferstadt, zwei Jahrtausende lang

Der wichtigste Befund der neuen Kampagne betrifft nicht den Tempel. Brennabfälle, Schlacken und eine im Boden liegende Ofenwand belegen: Medamud war eines der Hauptzentren für Keramik aus Kalkmergel-Ton — von der Zweiten Zwischenzeit bis in die Römerzeit, ohne größere Unterbrechung.

Zwei Ofenbezirke waren bekannt; die Begehung sicherte einen dritten, und die Geophysik legt ein ganzes Handwerkerviertel sowie eine weitere Umfassungsmauer nahe. Die Scherben reichen von der 18. Dynastie bis in die Ptolemäerzeit, mit Produktionsabfall in jeder Epoche.

Wie lange der Ort belebt blieb, zeigt die Nordzone: Dort ist die Oberflächenkeramik überwiegend byzantinisch, dazwischen römische Amphoren, Spätzeitware und ein importiertes Stück African Red Slip Ware aus der Mitte des 5. bis zum Beginn des 6. Jahrhunderts.

Die Tribüne und das Wasser

Am Westende des Dromos steht eine Tribüne aus Sandstein, 16,20 × 13,40 m, deren oberes Niveau 1,70 m über der Allee liegt; eine Rampe verbindet sie mit dem Prozessionsweg.

Ihre Datierung ist offen, und die bisherigen Argumente tragen nicht. Zuerst galt sie als augusteisch, weil man sie an das Tor des Tiberius band; dann wurde sie Ptolemaios III. zugeschrieben, weil in der Nähe eine Inschrift in byzantinischer Zweitverwendung lag. Beides ist zu schwach.

Damit hängt eine zweite Frage zusammen: Wie kam man übers Wasser hierher? Eine Sphingenallee führte vom heiligen Bezirk zu einem Kai, an dem ein Kanal geendet haben soll. Nachrechnen lässt sich immerhin der Pegel: In ptolemäischer und römischer Zeit stand das Wasser hoch genug, um die Tribüne zu erreichen. Die Verbindung zwischen Medamud und dem Nil bleibt trotzdem ungeklärt — sie ist erschlossen, nicht ergraben.

Im Gelände liegt außerdem ein quadratischer Bau, dessen Grundriss dem Serapeum im Vorhof des Luxortempels ähnelt und der an derselben Stelle relativ zum Tempel steht — ein Hinweis auf einen isiakischen Kult, mehr nicht.