Totenreich & OsiriskreisPersonifikationenmittelmäßig belegt
Imentet
„Die Westliche“ — Personifikation der Nekropole, die den Toten am Rand der Wüste empfängt.
- Zuständig für
- Westen, Totenreich, Empfang der Verstorbenen
- Bezeugt
- Altes Reich bis Römerzeit
- Kultorte
- Nekropolen, besonders Theben-West
- Familie
- Verschmelzung: Hathor-Imentet, „Herrin des Westens“
Erscheinung
Frau mit der Hieroglyphe für „Westen“ (Federstandarte) auf dem Kopf, oft mit ausgebreiteten Armen.
Bild und Bedeutung
Die Vignette, in der Imentet den Ankommenden an der Hand nimmt, gehört zu den freundlichsten Motiven der Grabkunst. Der Westen ist der Bereich der Toten, weil dort die Sonne untergeht; „nach Westen gehen“ ist die übliche Umschreibung für sterben, „der Westliche“ für den Verstorbenen. In Theben verschmilzt Imentet mit Hathor, die als Kuh aus dem Berg tritt.
Der thebanische Westen hat noch eine zweite Herrin, und sie ist das Gegenstück: Meretseger, die Schlangengöttin der Bergspitze, die Sünder blendet. Imentet empfängt, Meretseger straft — dieselbe Landschaft, zwei entgegengesetzte Erfahrungen mit ihr.
Wann ist es Imentet und wann Maat?
In Totenpapyri der Spätzeit steht regelmäßig eine weibliche Gestalt, deren Kopf selbst eine Straußenfeder ist. Sie kann Maat meinen — sie kann aber ebenso Imentet meinen, die Personifikation des Westens.
Entscheiden lässt sich das am Bild allein oft nicht. Beide Göttinnen werden über dieselbe Feder geschrieben: Das Zeichen der Straußenfeder dient zugleich als Schriftzeichen für mꜣꜥt und steht auch in den Namen von Schu und Maat.
Das ist kein Mangel der Überlieferung, sondern eine Eigenart ägyptischer Bildschrift: Ein Zeichen trägt mehrere Zuständigkeiten, und welche gemeint ist, ergibt sich aus dem Zusammenhang — aus Beischrift, Szene und Nachbarfiguren. Wo die fehlen, bleibt die Bestimmung offen.
Für die Lektüre heißt das: Eine federköpfige Frau in einem späten Totenpapyrus als „Maat“ zu bezeichnen, ist eine Entscheidung, keine Beobachtung.
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