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Netjeru

Nachschlagewerk zum alten Ägypten: Götter, Orte, Objekte und Zeit — 201 Einträge, mit Quellen und Beleglage.

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Serket

griechisch Selkis · ägyptisch Srqt

Skorpiongöttin, die den Atem freihält — Schutz vor Gift und eine der vier Kanopengöttinnen.

SrqtUmschrift
Zuständig für
Gift und Gegengift, Atem, Schutz der Toten
Bezeugt
1. Dynastie bis Römerzeit
Kultorte
kein großer Tempel; Priesterschaft als Giftärzte
Familie
Kanopen: schützt Kebehsenuef
Umfeld: Isis, Neith, Nephthys

Erscheinung

Frau mit einem Skorpion auf dem Kopf — beachtenswert: dem Tier fehlt regelmäßig der Giftstachel. Auch als Skorpion mit Frauenkopf.

Der Name

srqt-ḥtjt bedeutet „die die Kehle atmen lässt“. Das ist präzise: Skorpiongift führt zu Atemnot, und wer den Gestochenen rettet, lässt ihn wieder atmen. Ihr Name beschreibt also nicht die Gefahr, sondern die Heilung — eine typisch ägyptische Umkehrung, mit der man Gefährliches gnädig anspricht.

Skorpionmediziner

Die ḫrp Srqt, „Kontrolleure der Serket“, waren spezialisierte Ärzte für Bisse und Stiche. Der Titel ist seit dem Alten Reich belegt und zeigt, wie eng Priesteramt und Heilberuf verbunden waren.

Nicht jede Skorpiongöttin ist Serket

Weil der Skorpion ihre übliche irdische Erscheinungsform ist, wird fast jede Skorpiongöttin in Katalogen und Museumsbeschriftungen zu Serket — oder zu der seltenen Mischform „Isis-Serket“. Jean-Claude Goyon hat dieser Gewohnheit widersprochen: Ein Teil dieser Amulette, Bronzen und Reliefs gehört einer eigenen Göttin, Hededet (Ḥddyt), die im Totenbuch und in ptolemäischen Texten vorkommt und im Tempel von Edfu genannt wird.

Es gibt ein Kriterium, und es ist am Bild ablesbar. Seit der 18. Dynastie erscheint in den nubischen Tempeln eine „Göttin mit dem Skorpion“: eine Frau im engen Kleid mit langer Perücke, die das Tier vorn aufnimmt — häufig in Bewegung, so als steige es zur Stirn herab. Bei Serket dagegen liegt der Skorpion praktisch immer flach und regungslos auf. Ein laufender Skorpion spricht also gegen Serket.

Die meisten dieser Darstellungen liegen jenseits des Katarakts, etwa im Speos von El-Lessija aus der Zeit Thutmosis' III.; in Ägypten selbst hat schon Champollion eine im Speos von Gebel el-Silsila verzeichnet.

Im Grab Tutanchamuns

Die vier vergoldeten Göttinnenfiguren um den Kanopenschrein Tutanchamuns — Isis, Nephthys, Neith und Serket — gehören zu den bekanntesten Bildwerken Ägyptens. Serket wendet dabei, wie ihre Kolleginnen, den Kopf leicht zur Seite: ein feiner Bruch mit der strengen Frontalität, der die Figuren ungewöhnlich lebendig wirken lässt.

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