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Netjeru

Nachschlagewerk zum alten Ägypten: Götter, Orte, Objekte und Zeit — 201 Einträge, mit Quellen und Beleglage.

Königtum, Krieg & SchutzHaus, Geburt & Alltaggut belegt

Sachmet

griechisch Sachmis · ägyptisch Sḫmt

„Die Mächtige“ — löwenköpfige Göttin der Seuche und des Krieges, die dieselben Krankheiten heilt, die sie schickt.

SḫmtUmschrift
Sitzende Steinfigur, schräg von vorn aufgenommen. Der Kopf ist der einer Löwin mit gerundeter Schnauze und kleinen, nach vorn gedrehten Ohren; dahinter steht eine große runde Scheibe auf, an deren Vorderseite sich eine kleine Schlange aufrichtet. Vom Kopf fällt eine fein gesträhnte Perücke in zwei Strängen über die Schultern. Der Körper ist der einer schlanken Frau; die Hände liegen flach auf den Oberschenkeln, eine davon umfasst einen langgestreckten Gegenstand, der quer über dem Schoß liegt. An der Seitenwange des Sitzes und über den Beinen stehen eingetiefte Hieroglyphen in Kolumnen. Die Füße stehen nebeneinander auf einer Bodenplatte, die Zehen sind einzeln ausgearbeitet. Der Stein ist dunkel und feinkörnig; der Hintergrund ist eine dunkelrote Wand.
Zuständig für
Krieg, Seuche, Heilkunde, Sonnenauge
Bezeugt
Altes Reich bis Römerzeit
Familie
Gemahl: Ptah
Sohn: Nefertem
Aspekte: Auge des Re; friedliche Gegenform Bastet

Erscheinung

Frau mit Löwinnenkopf, Sonnenscheibe und Uräus, meist im roten Kleid, mit Papyruszepter oder Messern.

Die Vernichtung der Menschen

Im „Buch von der Himmelskuh“ schickt Re sein Auge als Sachmet gegen die aufständischen Menschen. Sie tötet, bis das Land voller Blut ist, und lässt sich nicht mehr stoppen. Re lässt daraufhin 7000 Krüge Bier mit rotem Ocker färben und über das Land gießen; Sachmet trinkt es für Blut, wird betrunken und schläft ein. So endet das Blutbad. Der Mythos ist die Begründung für die Bierfeste zu Jahresbeginn.

„Herrin der Trunkenheit“ — aus dem Mythos wird Kult

Die Bierepisode blieb nicht Erzählung. In den ptolemäischen und römischen Tempeln trägt Hathor-Sachmet den Beinamen „Herrin der Trunkenheit“, und dieser Titel wird gewöhnlich auf eben jene Geschichte zurückgeführt. Was die Göttin besänftigt, wird damit zum festen Bestandteil ihrer Anrede.

Der Rauschtrank ist der Grund, warum ihr überhaupt Wein und Bier geopfert wurden — nicht als beliebige Gabe, sondern wegen seiner Wirkung. Und das ist alt: Schon im Totentempel des Sahure (5. Dynastie) ist der König dargestellt, wie er Sachmet Wein darbringt. Zwischen dem Relief im Alten Reich und dem Beinamen in der Römerzeit liegen mehr als zweitausend Jahre derselben Logik.

Pfeile der Sachmet

Seuchen galten als „Boten“ oder „Pfeile“ der Sachmet, besonders zum Jahreswechsel, wenn nach der Flut Krankheiten auftraten. Entsprechend gab es Rituale zur Besänftigung für jeden der Epagomenentage. Zugleich waren ihre Priester (wꜥb Sḫmt) anerkannte Ärzte — die Zuständigkeit für Krankheit umfasste beide Richtungen. Das medizinische Papyrus Ebers nennt sie im Zusammenhang mit der Herzuntersuchung.

Die Statuenserie Amenophis’ III.

Amenophis III. ließ über 700 lebensgroße Granodioritstatuen der Sachmet aufstellen, vermutlich zwei je Tag des Jahres (eine sitzende, eine stehende). Sie stehen heute verteilt in Museen weltweit. Die gängige Deutung: ein gewaltiges Ritualprogramm zur Abwehr einer Epidemie oder zur Sicherung der Gesundheit des alternden Königs.

Königtum, Krieg & SchutzHaus, Geburt & Alltag