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Netjeru

Nachschlagewerk zum alten Ägypten: Götter, Orte, Objekte und Zeit — 201 Einträge, mit Quellen und Beleglage.

Königtum, Krieg & SchutzLokal- & TiergötterTotenreich & Osiriskreisgut belegt

Meretseger

„Die das Schweigen liebt“ — Schlangengöttin der thebanischen Bergspitze, die Sünder blendet und Reuige heilt.

Mrt-sgrUmschrift
Unregelmäßig gebrochene, hell beige Kalksteinscherbe im Querformat, vor grauem Hintergrund. Darauf ist mit schwarzer Kontur und gelber Füllung eine große Schlange gemalt: Der Leib windet sich in vier engen Schlaufen quer über die Scherbe, entlang des Rückens läuft eine Reihe schwarzer Punkte, der Schwanz endet als dünne Linie am rechten Rand. Am linken Ende richtet sich der Kopf auf, dahinter ein breit ausgestellter Nackenschild; hinter dem Kopf steht ein gefächertes Element. Links davor steht ein niedriger Ständer mit runden gelben Gefäßen, über denen gezackte Striche aufsteigen. Über der Schlange und in einer Zeile darunter stehen gemalte Hieroglyphen. Die Farben sind stumpf, die Oberfläche fleckig.
Zuständig für
Schutz der Nekropole, Strafe und Vergebung
Bezeugt
18.–20. Dynastie
Kultorte
Deir el-Medina, Tal der Könige (die Bergspitze el-Qurn)
Familie
Verschmelzung: mit Hathor als Herrin des Westens

Erscheinung

Kobra, oft mit Frauenkopf; auch dreiköpfig (Schlange, Frau, Geier).

Der Berg selbst

Über dem Tal der Könige erhebt sich eine natürliche Pyramide, der Berg el-Qurn. Meretseger ist dieser Berg als Person — sie heißt auch schlicht „die Spitze des Westens“. Für die Arbeiter, die dort die Königsgräber schlugen, war sie die unmittelbar zuständige Macht.

Die Stele des Neferabu

Ein Zeugnis persönlicher Frömmigkeit von seltener Direktheit: Der Arbeiter Neferabu berichtet auf seiner Stele, er habe gesündigt, worauf ihn die Göttin mit Krankheit geschlagen habe wie ein Ungeheuer; als er bereute, sei sie gnädig geworden. Solche Texte aus Deir el-Medina — Schuld, Strafe, Bekenntnis, Heilung — sind eine der wichtigsten Quellen für gelebte Religion jenseits des Staatskults.

Auch im Haus

Meretseger blieb nicht auf die Kapellen am Weg zum Tal der Könige beschränkt. Sie ist die in Deir el-Medina am stärksten vertretene lokale Gottheit der Hausreligion — verehrt also nicht nur unterwegs zur Arbeit, sondern auch dort, wo die Arbeiter wohnten.

Damit steht sie an einer aufschlussreichen Stelle. Der Berg über dem Tal ist ein öffentlicher, kaum zu übersehender Bezugspunkt; die Verehrung im Wohnhaus ist das Gegenteil davon. Beides gehört bei ihr zusammen, und man sollte die Hausreligion deshalb nicht als eigene, „volkstümliche“ Sphäre neben dem übrigen Kult denken: Es sind dieselben Gottheiten, in anderen Räumen und mit anderen Anlässen.

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