Königtum, Krieg & SchutzLokal- & TiergötterTotenreich & Osiriskreisgut belegt
Meretseger
„Die das Schweigen liebt“ — Schlangengöttin der thebanischen Bergspitze, die Sünder blendet und Reuige heilt.

- Zuständig für
- Schutz der Nekropole, Strafe und Vergebung
- Bezeugt
- 18.–20. Dynastie
- Kultorte
- Deir el-Medina, Tal der Könige (die Bergspitze el-Qurn)
- Familie
- Verschmelzung: mit Hathor als Herrin des Westens
Erscheinung
Kobra, oft mit Frauenkopf; auch dreiköpfig (Schlange, Frau, Geier).
Der Berg selbst
Über dem Tal der Könige erhebt sich eine natürliche Pyramide, der Berg el-Qurn. Meretseger ist dieser Berg als Person — sie heißt auch schlicht „die Spitze des Westens“. Für die Arbeiter, die dort die Königsgräber schlugen, war sie die unmittelbar zuständige Macht.
Die Stele des Neferabu
Ein Zeugnis persönlicher Frömmigkeit von seltener Direktheit: Der Arbeiter Neferabu berichtet auf seiner Stele, er habe gesündigt, worauf ihn die Göttin mit Krankheit geschlagen habe wie ein Ungeheuer; als er bereute, sei sie gnädig geworden. Solche Texte aus Deir el-Medina — Schuld, Strafe, Bekenntnis, Heilung — sind eine der wichtigsten Quellen für gelebte Religion jenseits des Staatskults.
Auch im Haus
Meretseger blieb nicht auf die Kapellen am Weg zum Tal der Könige beschränkt. Sie ist die in Deir el-Medina am stärksten vertretene lokale Gottheit der Hausreligion — verehrt also nicht nur unterwegs zur Arbeit, sondern auch dort, wo die Arbeiter wohnten.
Damit steht sie an einer aufschlussreichen Stelle. Der Berg über dem Tal ist ein öffentlicher, kaum zu übersehender Bezugspunkt; die Verehrung im Wohnhaus ist das Gegenteil davon. Beides gehört bei ihr zusammen, und man sollte die Hausreligion deshalb nicht als eigene, „volkstümliche“ Sphäre neben dem übrigen Kult denken: Es sind dieselben Gottheiten, in anderen Räumen und mit anderen Anlässen.
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