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Netjeru

Nachschlagewerk zum alten Ägypten: Götter, Orte, Objekte und Zeit — 201 Einträge, mit Quellen und Beleglage.

Vergöttlichte MenschenWissen, Schrift & Magiegut belegt

Amenhotep, Sohn des Hapu

griechisch Amenothes · ägyptisch Jmn-ḥtp sꜣ Ḥpw

Hofbeamter Amenophis’ III., der noch zu Lebzeiten außergewöhnliche Ehren erhielt und später als Heilgott verehrt wurde.

Jmn-ḥtp sꜣ ḤpwUmschrift
Sitzstatue aus dunklem Granit: ein Mann sitzt im Schneidersitz, trägt eine volle Perücke, deren gelockte Strähnen seitlich auf die Schultern fallen. Über den Bauch ziehen sich drei Hautfalten. Quer auf seinen Beinen liegt eine entrollte, mit Hieroglyphen beschriebene Papyrusrolle, an der Vorderkante abgebrochen. Eine Hand ruht auf dem Knie, die andere hält einen gerollten Gegenstand. Auf der Brust ist eine Königskartusche eingetieft, der Sockel trägt eine Zeile Hieroglyphen.
Zuständig für
Heilung, Weisheit, Vermittlung von Gebeten
Bezeugt
Lebte um 1400 v. Chr.; Kult bis in die Römerzeit
Kultorte
Deir el-Bahari (gemeinsam mit Imhotep), Theben-West, Karnak
Familie
Vater: Hapu aus Athribis

Erscheinung

Sitzender Schreiber mit Papyrusrolle, oft mit gealtertem Gesicht und Bauchfalten — Zeichen von Lebenserfahrung.

Karriere und Kult

Er organisierte als „Schreiber der Rekruten“ Bauprojekte Amenophis’ III., darunter die Memnonkolosse. Ungewöhnlich: Der König gestattete ihm einen eigenen Totentempel im Bereich der Königstempel — praktisch unerhört für einen Nichtkönig. Seine Statuen wurden an den Toren von Karnak aufgestellt, damit Besucher ihm Bitten anvertrauen konnten, die er an Amun weiterreichen sollte; die Inschriften laden ausdrücklich dazu ein. Aus dieser Vermittlerrolle wuchs in der Spätzeit ein Heilkult, meist gemeinsam mit Imhotep.

Der Kult ist nicht nur behauptet

Dass ihm tatsächlich Bitten vorgetragen wurden, ist dokumentiert und nicht bloß aus den Einladungsinschriften erschlossen. Aus dem Korpus der demotischen „Briefe an Götter“ richten sich zwei Stücke an ihn; soweit die Adressaten dieses Korpus bekannt sind, ist er darunter der einzige vergöttlichte Mensch. Eines der beiden wurde in einer Nische des Hauptsanktuars von Deir el-Bahari gefunden, die als seine Kapelle diente.

Das zweite, eine Holztafel aus dem 3. Jahrhundert v. Chr., zeigt, wie so ein Verhältnis funktionierte. Ein Priester des Amun-Re namens Osirwer bittet um die Schwangerschaft einer Frau und macht seine Gegenleistung gestaffelt: ein Deben Silber, wenn sie empfängt, ein zweites, wenn sie niederkommt. Das ist kein Gebet, sondern ein Vertrag — die Gabe wird ausdrücklich an den Eintritt des Erfolgs geknüpft.

Bemerkenswert ist auch der Absender. Der Bittsteller ist selbst Priester des Amun und wendet sich trotzdem nicht an Amun, sondern an Amenhotep — der Vermittler wird hier als Adressat angesprochen, nicht als Zwischenstation.

Vergöttlichte MenschenWissen, Schrift & Magie