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Netjeru

Nachschlagewerk zu den Göttern und Mythen des alten Ägypten — 134 Einträge, mit Quellen und Beleglage.

Fremde GötterHaus, Geburt & Alltagmittelmäßig belegt

Qadesch

„Die Heilige“ — nackte Göttin auf einem Löwen, in Ägypten mit Min und Reschef zur Dreiergruppe verbunden.

QdštUmschrift
Zuständig für
Liebe, Fruchtbarkeit, Heilung
Bezeugt
Neues Reich
Kultorte
Memphis, Deir el-Medina, Delta
Familie
Gruppe: Qadesch – Min – Reschef auf gemeinsamen Stelen

Erscheinung

Frontal dargestellte nackte Frau auf einem Löwen stehend, mit Hathorperücke, Lotosblüten in der einen, Schlangen in der anderen Hand — eine der wenigen frontalen Figuren der ägyptischen Kunst.

Ein Bildtyp mit offener Identität

Qadesch („die Heilige“) ist eher ein Titel als ein Eigenname; welche levantinische Göttin genau dahintersteht — Aschera, Astarte, Anat oder eine Mischform — ist umstritten. Die Bildformel ist eindeutig: nackt, frontal, auf dem Löwen, mit Pflanzen und Schlangen.

Die Stele, die drei Namen nennt

Die Unsicherheit ist keine moderne Verlegenheit — sie steckt schon in den Quellen. Eine ramessidische Stele im Besitz des Winchester College trägt die Beischrift Qudschu-Astarte-Anat und nennt damit drei Göttinnen für eine Figur. Sie ist üblicherweise in die Zeit Ramses’ III. datiert und zeigt die Göttin in der bekannten Formel: frontal, nackt, auf einem Löwen, mit Hathorperücke, zwischen Min und Reschef.

Das Stück ist der wichtigste Einzelbeleg für die Gruppe und zugleich der Grund, warum eine eindeutige Zuordnung nicht gelingt: Die Ägypter selbst haben hier offenbar nicht unterschieden, sondern eine Bildformel für „fremde Göttin“ benutzt, die mehrere Namen tragen konnte.

In Ägypten

Der früheste Beleg stammt aus der Regierungszeit Amenophis' III. und steht auf der Statue eines Ptahanch, eines Angehörigen der Ptah-Priesterschaft von Memphis. Damit erscheint Qadesch später als Reschef, Hauron und Astarte, die schon unter Amenophis II. bezeugt sind.

In Ägypten fand sie vor allem bei den Arbeitern von Deir el-Medina Anklang, was für populäre Frömmigkeit spricht — sie steht auf Votivstelen von Privatleuten, nicht in Königstexten. Ihre Frontalität teilt sie mit Bes; beide sind gewissermaßen „Ansprechbilder“, die den Betrachter direkt anschauen, während die ägyptische Kunst sonst das Profil bevorzugt.

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