Totenreich & OsiriskreisWissen, Schrift & Magiegut belegt
Anubis
griechisch Anubis · ägyptisch Jnpw
Der schwarze Schakalgott der Einbalsamierung, Herr der Nekropole und Wärter der Waage beim Totengericht.

- Zuständig für
- Mumifizierung, Nekropole, Totengericht, Schutz des Grabes
- Bezeugt
- 1. Dynastie bis Römerzeit
- Kultorte
- Kynopolis (Hardai, 17. oberägypt. Gau), Sakkara (Anubieion), Abydos, jede Nekropole
- Familie
- Ältere Fassung: Sohn des Re
Jüngere Fassung: Sohn von Osiris und Nephthys, von Isis aufgezogen
Andere: Sohn der Kuhgöttin Hesat
Tochter: Kebechet
Erscheinung
Liegender schwarzer Kanide auf einem Schrein, oder Mann mit Schakalkopf; das Tier ist wohl der Afrikanische Goldwolf, nicht der eigentliche Schakal. Schwarz nicht als Fellfarbe, sondern als Farbe des Fruchtschlamms und der Wiedergeburt.
Vor Osiris
Im Alten Reich ist Anubis der wichtigste Totengott überhaupt — die klassische Opferformel lautet zunächst ḥtp-dj-nswt Jnpw, „ein Opfer, das der König Anubis gibt“. Erst im Mittleren Reich rückt Osiris an diese Stelle, und Anubis wird zu dessen Untergebenem: der Fachmann fürs Handwerkliche, während Osiris die Herrschaft hat.
Drei Abstammungen, und was die mittlere erzählt
Die Familienangaben oben nennen drei konkurrierende Herkünfte. Die mittlere — Sohn des Osiris und der Nephthys — hat einen erzählerischen Hintergrund, der selten mitgeliefert wird: Nephthys war mit Seth verheiratet, Anubis ist also die Frucht eines Ehebruchs. Nach einer Überlieferung ist genau dieser Ehebruch das Motiv für den Mord an Osiris; Seth handelte demnach aus Vergeltung. In derselben Fassung heißt Anubis gelegentlich ältester Sohn des Osiris — älter als Horus. Aufgezogen wurde er von Isis.
Dass daneben „Sohn des Re“ und „Sohn der Hesat“ stehen, ist kein Überlieferungsfehler. Ägyptische Götterfamilien ordnen Zuständigkeiten zu, sie führen keine Ahnentafel: „Sohn des Re“ stellt Anubis in die Sonnenordnung, „Sohn des Osiris“ ins Totenreich, „Sohn der Hesat“ zur nährenden Kuh. Die Angaben widersprechen einander nur, wenn man sie als Biologie liest.
Der Einbalsamierer
Anubis leitet die Mumifizierung; er ist es, der Osiris zum ersten Mal balsamiert und damit das Verfahren erfindet. In der Werkstatt (wꜥbt) trug der leitende Priester eine Anubismaske — ein solches Exemplar aus Kartonage ist aus Hildesheim erhalten. Sein Titel „Der auf seinem Berg ist“ bezeichnet den Schakal, der über der Wüstennekropole wacht; „Herr des heiligen Landes“ (nb-tꜣ-ḏsr) meint die Wüste selbst.
Dieser Beiname ist ein Musterfall für das, was die Ägyptologie einen persönlichen Beiname nennt: Er hängt nicht an einer bestimmten Szene, sondern stiftet Anubis' Identität, steht unmittelbar hinter dem Namen und bleibt über die ganze ägyptische Geschichte hinweg unverändert. Anubis' Zuständigkeit hat sich verschoben — von der wichtigsten Totengottheit zum Fachmann unter Osiris —, sein Beiname nicht.
Beim Gericht
In den Vignetten zu Totenbuchspruch 125 führt Anubis den Verstorbenen in die Halle, justiert die Waage und prüft das Lot, während Thot protokolliert. Er ist der Sachverständige, nicht der Richter.
Imiut
Das „Imiut“-Fetisch — ein enthäuteter, kopfloser Tierbalg an einer Stange in einem Topf — gehört seit der 1. Dynastie zu Anubis und wurde ihm selbst als eigener Name („Imiut“) zugeschrieben. Zwei Exemplare fanden sich im Grab Tutanchamuns. Die genaue Bedeutung ist ungeklärt; wahrscheinlich geht es um die Häutung als Bild der Erneuerung.
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