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Netjeru

Nachschlagewerk zu den Göttern und Mythen des alten Ägypten — 134 Einträge, mit Quellen und Beleglage.

Totenreich & OsiriskreisWissen, Schrift & Magiegut belegt

Anubis

griechisch Anubis · ägyptisch Jnpw

Der schwarze Schakalgott der Einbalsamierung, Herr der Nekropole und Wärter der Waage beim Totengericht.

JnpwUmschrift
Stehende Figur aus dunkel patinierter Kupferlegierung: ein Mann mit dem Kopf eines Hundeartigen — lange spitze Schnauze, hoch aufgerichtete spitze Ohren. Vom Kopf fallen zwei gesträhnte Perückenlappen auf die Brust. Er trägt einen kurzen Schurz mit eingeritztem Muster und schreitet mit vorgesetztem Bein. Ein Arm ist nach vorn gestreckt, die Hand zur Faust geschlossen; der andere hängt am Körper herab. Beide Fäuste sind durchbohrt — sie hielten einmal Gegenstände, die verloren sind.
Zuständig für
Mumifizierung, Nekropole, Totengericht, Schutz des Grabes
Bezeugt
1. Dynastie bis Römerzeit
Kultorte
Kynopolis (Hardai, 17. oberägypt. Gau), Sakkara (Anubieion), Abydos, jede Nekropole
Familie
Ältere Fassung: Sohn des Re
Jüngere Fassung: Sohn von Osiris und Nephthys, von Isis aufgezogen
Andere: Sohn der Kuhgöttin Hesat
Tochter: Kebechet

Erscheinung

Liegender schwarzer Kanide auf einem Schrein, oder Mann mit Schakalkopf; das Tier ist wohl der Afrikanische Goldwolf, nicht der eigentliche Schakal. Schwarz nicht als Fellfarbe, sondern als Farbe des Fruchtschlamms und der Wiedergeburt.

Vor Osiris

Im Alten Reich ist Anubis der wichtigste Totengott überhaupt — die klassische Opferformel lautet zunächst ḥtp-dj-nswt Jnpw, „ein Opfer, das der König Anubis gibt“. Erst im Mittleren Reich rückt Osiris an diese Stelle, und Anubis wird zu dessen Untergebenem: der Fachmann fürs Handwerkliche, während Osiris die Herrschaft hat.

Der Einbalsamierer

Anubis leitet die Mumifizierung; er ist es, der Osiris zum ersten Mal balsamiert und damit das Verfahren erfindet. In der Werkstatt (wꜥbt) trug der leitende Priester eine Anubismaske — ein solches Exemplar aus Kartonage ist aus Hildesheim erhalten. Sein Titel „Der auf seinem Berg ist“ bezeichnet den Schakal, der über der Wüstennekropole wacht; „Herr der Heiligen Landes“ meint die Wüste selbst.

Beim Gericht

In den Vignetten zu Totenbuchspruch 125 führt Anubis den Verstorbenen in die Halle, justiert die Waage und prüft das Lot, während Thot protokolliert. Er ist der Sachverständige, nicht der Richter.

Imiut

Das „Imiut“-Fetisch — ein enthäuteter, kopfloser Tierbalg an einer Stange in einem Topf — gehört seit der 1. Dynastie zu Anubis und wurde ihm selbst als eigener Name („Imiut“) zugeschrieben. Zwei Exemplare fanden sich im Grab Tutanchamuns. Die genaue Bedeutung ist ungeklärt; wahrscheinlich geht es um die Häutung als Bild der Erneuerung.

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