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Nachschlagewerk zum alten Ägypten: Götter, Orte, Objekte und Zeit — 201 Einträge, mit Quellen und Beleglage.

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Schrift und Papyrus: Wie im alten Ägypten geschrieben wurde

Ein Schreibblatt aus Sumpfpflanzen, Tinte aus Ruß und eine Schrift, die Laute und Bilder mischt — wie die Ägypter schrieben, wie man ihre Schrift wieder lesen lernte und was heutiger „Papyrus“ damit zu tun hat.

Ältestes Papyrus
unbeschriebene Rolle aus dem Grab des Hemaka, 1. Dynastie, um 3000 v. Chr.
Drei Schriften
Hieroglyphen, Hieratisch, Demotisch
Prinzip
Lautzeichen plus stumme Deutzeichen; Vokale werden nicht geschrieben
Tinte
schwarz aus Ruß, rot aus Ocker
Entzifferung
Champollion 1822, auf Vorarbeiten von Thomas Young
Zeitraum
erste Schriftzeugnisse um 3200 v. Chr.; letzte Hieroglypheninschrift 394 n. Chr., letzte demotische 452 n. Chr.
Themenfelder
Schrift · Schreibmaterial · Verwaltung

Ägypten ist eine der ältesten Schriftkulturen der Welt, und es hat dafür ein eigenes Schreibmaterial erfunden, das rund viertausend Jahre in Gebrauch blieb. Dieser Artikel erklärt beides: wie das Schreibblatt entstand und wie die Schrift funktioniert — und warum sie über tausend Jahre lang niemand mehr lesen konnte.

Wie es funktionierte

Papyrus: vom Sumpf zum Schreibblatt

Papyrus wird aus dem Mark einer Sumpfpflanze gemacht, Cyperus papyrus, die im alten Ägypten in großen Beständen am Nil und im Delta wuchs. Der Stängel hat einen dreieckigen Querschnitt und ist innen mit einem weichen, weißen Mark gefüllt.

Nach der gängigen Erklärung schnitt man dieses Mark in dünne Streifen, legte sie leicht überlappend nebeneinander und darüber eine zweite Lage quer dazu. Das Ganze wurde gepresst und getrocknet. Ein Klebstoff war dafür nicht nötig: Die feuchten Zellen quellen auf und verzahnen sich beim Trocknen miteinander. Die einzelnen Blätter wurden an den Rändern zu Rollen zusammengefügt.

Ganz geklärt ist das Verfahren nicht. Die ausführlichste antike Beschreibung stammt vom römischen Gelehrten Plinius, und sie ist so knapp und dunkel, dass sie sich verschieden lesen lässt. Eine andere Deutung nimmt an, das Mark sei nicht in Streifen geschnitten, sondern in einer durchgehenden Bahn abgeschält worden. Viele bezweifeln, dass Plinius das Verfahren selbst gesehen hat.

Die älteste bekannte Papyrusrolle stammt aus dem Grab des Hemaka in Sakkara, eines hohen Beamten der 1. Dynastie, um 3000 v. Chr. Sie ist unbeschrieben. Die ältesten beschriebenen Papyri stammen aus der 4. und 5. Dynastie; zu ihnen gehört das Tagebuch des Merer aus der Zeit des Cheops.

Tinte und Binse

Geschrieben wurde mit zwei Farben. Schwarz war Rußtinte, Rot in der Regel Ocker. Rot hob Überschriften, Anfänge und Hervorhebungen heraus — dieselbe Idee, von der unser Wort „Rubrik“ kommt, nach dem lateinischen ruber, „rot“.

Der Schreiber hatte eine Palette, meist ein schmales Brett mit zwei Vertiefungen für die beiden Farbkuchen und einem Schlitz für die Schreibgeräte. Geschrieben wurde mit einer Binse, deren Ende pinselartig aufgefasert wurde — eher gemalt als gekratzt. Erst in griechisch-römischer Zeit, um 100 v. Chr., kam das steife, zugespitzte Schilfrohr aus der griechischen Schreibtradition auf.

Was genau in der Tinte war, wird erst jetzt genauer untersucht. Eine Analyse von Papyri der Tempelbibliothek von Tebtunis aus der Zeit um 100 bis 200 n. Chr. fand 2020 in den meisten roten und in drei schwarzen Tinten Blei — wahrscheinlich nicht als Farbstoff, sondern als Trockenmittel, so wie man es in Europa erst im 15. Jahrhundert bei der Ölmalerei verwendete.

Drei Schriften für eine Sprache

Die Ägypter schrieben ihre Sprache in drei Schriftformen:

  • Hieroglyphen für Tempelwände, Grabinschriften und Denkmäler — die Schrift der Dauer und der Götter.
  • Hieratisch, eine flüssige Schreibschrift für den Alltag auf Papyrus: Briefe, Abrechnungen, Literatur, Medizin, Mathematik.
  • Demotisch, eine noch stärker verkürzte Schreibschrift, die ab der Spätzeit für Verwaltung und Recht in Gebrauch kam.

Die Hieroglyphenschrift ist keine Bilderschrift. Die meisten Zeichen stehen für Laute — für einen, zwei oder drei Konsonanten. Dazu kommen Deutzeichen, die nicht gelesen werden, sondern anzeigen, in welchen Bereich ein Wort gehört: ein sitzender Mann für Personen, ein Haus für Gebäude, eine Buchrolle für Abstraktes. Vokale werden nicht geschrieben. Deshalb weiß man bis heute nicht genau, wie viele Wörter klangen, und moderne Aussprachen wie „Amun“ oder „Nefertiti“ sind Konventionen.

Die ältesten Schriftzeugnisse sind kleine Etiketten aus Knochen und Elfenbein aus dem Grab U-j in Abydos, um 3200 v. Chr. — Angaben zu Lieferungen, keine Texte. Die jüngste bekannte Hieroglypheninschrift steht auf der Insel Philae und ist auf den 24. August 394 n. Chr. datiert, die jüngste demotische, ebenfalls auf Philae, auf den Dezember 452.

Woher wir das wissen

Aus den Papyri selbst, von denen Tausende erhalten sind, weil das trockene Klima Ägyptens organisches Material bewahrt. Dazu kommen Schreibgeräte aus Gräbern — Paletten, Binsen, Farbkuchen — und Bilder von Schreibern bei der Arbeit.

Wie das Papyrusblatt entstand, beschreibt nur Plinius, und seine Beschreibung ist mehrdeutig. Was man heute darüber sagt, beruht auf der Untersuchung antiker Blätter und auf Experimenten: In den 1960er Jahren entwickelte der ägyptische Ingenieur Hassan Ragab ein Verfahren, Papyrus wieder herzustellen, und zog die Pflanze neu heran, die in Ägypten fast verschwunden war.

Wie man die Schrift wieder lesen lernte, ist eine eigene Geschichte. Spätestens nach dem 5. Jahrhundert konnte niemand mehr Hieroglyphen lesen. Der Schlüssel war der Stein von Rosette, 1799 gefunden: ein Priesterdekret von 196 v. Chr., dreimal geschrieben — in Hieroglyphen, in Demotisch und auf Griechisch. Dass die ovalen Umrandungen, die Kartuschen, Königsnamen enthalten, hatte man schon vermutet. Der Engländer Thomas Young konnte um 1819 darin den Namen Ptolemaios lesen und erkannte, dass diese Zeichen für Laute standen. Jean-François Champollion zeigte 1822 an Königsnamen, dass die Schrift eine Mischung aus Lautzeichen und Sinnzeichen ist, und konnte sie damit systematisch lesen. Young fühlte sich dabei übergangen — nicht ganz zu Unrecht.

Im Vergleich zu heute

Papyrus ist kein Papier. Das Wort „Papier“ stammt zwar vom griechischen papyros, aber die Verfahren sind grundverschieden: Papyrus ist ein geschichtetes Pflanzengewebe, dessen Struktur erhalten bleibt. Papier dagegen entsteht, indem Fasern zu einem Brei zerkleinert und daraus neu verfilzt werden — eine Erfindung aus China. Als das Papier ins islamische Ägypten kam, verdrängte es den Papyrus; um das 10. Jahrhundert endete dessen Gebrauch.

Der „Papyrus“, den man heute auf Märkten kauft, ist chemisch etwas anderes als der antike. Eine Untersuchung von 2022 verglich moderne Handelsblätter mit antiken Papyri und mit Blättern, die nach Plinius hergestellt wurden. Die modernen Blätter werden mit Lauge behandelt und mit Chlor gebleicht, damit sie hell und „alt“ aussehen. Sie enthalten nur etwa ein Drittel des Lignins aus dem Pflanzenmark, rund dreimal so viel Natrium und sind basisch (pH 7,9 bis 9,8), während antike Blätter leicht sauer sind (pH 5,5 bis 6,0). Das ist mehr als eine Kuriosität: Wer mit modernem Papyrus experimentiert oder alte Blätter ergänzen will, arbeitet mit einem anderen Material als die Schreiber damals.

Die Rußtinte gehört zu den beständigsten Schreibstoffen überhaupt. Kohlenstoff reagiert kaum mit Licht und Luft; deshalb ist viele tausend Jahre alte Schrift heute noch schwarz.

Und die Schrift lebt in unserem Alphabet weiter. Nach der verbreiteten Deutung haben semitischsprachige Menschen im Kontakt mit ägyptischen Schreibern ägyptische Zeichen übernommen und jedem einen einzigen Laut gegeben — den Anfangslaut des Wortes für das abgebildete Ding. Frühe Zeugnisse dafür sind Inschriften aus dem Wadi el-Hol und vom Sinai. Über das Phönizische und Griechische führt dieser Weg bis zu den Buchstaben, mit denen dieser Text geschrieben ist.

Was man oft liest — und was stimmt

„Hieroglyphen sind eine Bilderschrift.“ Nein. Die Zeichen sind Bilder, aber die meisten stehen für Laute. Genau das war der Irrtum, der die Entzifferung über Jahrhunderte verhinderte: Solange man jedes Zeichen als Symbol deutete, kam man nicht weiter.

„Champollion hat die Hieroglyphen allein entziffert.“ Er hat den entscheidenden Schritt getan, aber nicht allein. Thomas Young hatte vorher erkannt, dass Königsnamen lautlich geschrieben sind, und einzelne Zeichen richtig bestimmt. Champollion hat Youngs Anteil in seiner Veröffentlichung auffällig kleingeredet.

„Die Ägypter schrieben in Hieroglyphen.“ Auf Denkmälern ja. Im Alltag schrieben sie Hieratisch und später Demotisch — die allermeisten Texte auf Papyrus sind nicht in Hieroglyphen geschrieben.

„Papyrus wurde mit dem Saft der Pflanze verklebt.“ Das wird oft gesagt, ist aber wahrscheinlich zu einfach. Nach heutiger Auffassung war kein Klebstoff nötig; die Lagen halten, weil sich die gequollenen Zellen beim Trocknen ineinander verzahnen.

„Ein Papyrus vom Basar ist ein Stück altägyptischer Handwerkskunst.“ Er ist eine Nachschöpfung des 20. Jahrhunderts — anders hergestellt und chemisch deutlich anders als die antiken Blätter.

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