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Netjeru

Nachschlagewerk zum alten Ägypten: Götter, Orte, Objekte und Zeit — 201 Einträge, mit Quellen und Beleglage.

Dämonen & MischwesenLokal- & Tiergöttermittelmäßig belegt

Babi

griechisch Bebon · ägyptisch Bꜣbj

Pavianartiger Gott von aggressiver Sexualität und Gewalt; Herr der Finsternis, der die Eingeweide der Toten frisst.

BꜣbjUmschrift
Zuständig für
Aggression, Männlichkeit, Dunkelheit
Bezeugt
Pyramidentexte bis Spätzeit
Kultorte
kein regulärer Kult
Familie
Bezeichnung: „Stier der Paviane“

Erscheinung

Pavian, oft mit rotem Hinterteil und hervorgehobenem Phallus.

Ein gefährlicher Gott

Der Mantelpavian ist ein aggressives Tier mit auffälligem Sexualverhalten — Babi ist genau das in Gottesform. Sein Phallus dient in Totenbuchtexten als Riegel des Himmelstors oder als Mast der Jenseitsfähre; wer ihn kennt, kommt hindurch. Im Horus-Seth-Streit beleidigt er Re und wird verstoßen. Gleichzeitig war er als Schutzmacht gegen Schlangen anrufbar. Die Ägypter fürchteten ihn, ohne ihn abzulehnen.

Wer am Flammensee steht

Totenbuch 17 nennt ihn erst, nachdem es ihn beschrieben hat — und die Reihenfolge ist der Punkt. Der Text bittet Re-Atum, den Toten zu retten

vor diesem Gott mit dem Hundskopf und den Augenbrauen eines Menschen, der von Opfern lebt: dem, der den Rand des Flammensees bewacht, dem, der die Leichen verschlingt, dem, der die Herzen packt.

Dann erst die Frage „Wer ist er?“ und die Antwort: Babi ist sein Name. Ob dabei vom Flammensee oder von der Flammeninsel die Rede ist, wechselt je nach Handschrift; beides ist austauschbar.

Der Ort dieser Begegnung ist nicht die Nacht, sondern die Morgendämmerung — die aufschießende Flamme, der östliche Horizont. Dort residiert er, und Servajean hält fest, dass seine sexuelle Aktivität mit dem Feuer verbunden ist. Zugleich versieht er einen Dienst am Bug der Sonnenbarke.

Vor allem aber ist er der, der das Himmelstor öffnet — das Tor, hinter dem es brennt. Der Eintrag oben nennt seinen Phallus den Riegel dieses Tors; genauer ist: Er ist nicht nur der Riegel, er ist der Türhüter.

Nicht jeder Pavian ist Thot — auch hier nicht

Auf Apotropaia und auf einer Kopfstütze in London (BM 35807) aus der späten Zeit des Mittleren Reichs und der Zweiten Zwischenzeit erscheint ein Pavian, der ein Udjat-Auge, eine Lampe oder eine Flamme hält. Die naheliegende Deutung als Thot ist nicht gesichert, weil die Gottheit anonym bleibt und die Datierung dagegensteht.

Perraud hält Babi für ebenso möglich: ein „schreckenerregender und schützender Hundskopfaffe“, eine Mondgottheit, mit dem Auge verbunden wie Thot, Herr der Tore des Himmels und der Nacht, der bisweilen die Sonnenbarke begleitet. Damit steht er in derselben Reihe von Verwechslungskandidaten wie die Achtheit und der affenköpfige Hapi — siehe Thot.

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