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Nachschlagewerk zum alten Ägypten: Götter, Orte, Objekte und Zeit — 201 Einträge, mit Quellen und Beleglage.

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Serapis

griechisch Sarapis · ägyptisch Wsjr-Ḥp

Ptolemäische Neuschöpfung aus Osiris-Apis in griechischer Gestalt — Reichsgott für Griechen und Ägypter zugleich.

Wsjr-ḤpUmschrift
Schwarzweißaufnahme eines Fingerrings. Anstelle einer Platte sitzt auf ihm eine plastische Büste: ein Mann mit dichtem Lockenhaar und vollem, gelocktem Bart. Über die Schulter liegt ein Gewand mit feinen senkrechten Falten. Auf dem Scheitel steht ein hohes, becherförmiges Gefäß mit ausgestelltem Rand. Der Ringreif schwingt unter der Büste hervor.
Zuständig für
Jenseits, Fruchtbarkeit, Heilung, Herrscherkult
Bezeugt
3. Jh. v. Chr. bis 4. Jh. n. Chr.
Kultorte
Alexandria (Serapeum), Memphis, Delos, Rom, Ostia, York
Familie
Gefährtin: Isis
Sohn: Harpokrates
Herkunft: Osiris-Apis von Memphis

Erscheinung

Bärtiger Mann im griechischen Stil, thronend, mit Getreidemaß (Kalathos) auf dem Kopf, oft mit Kerberos zu Füßen.

Politische Theologie

Ptolemaios I. förderte einen Gott, der beide Bevölkerungsteile ansprechen konnte: ägyptisch im Kern (der verstorbene Apisstier als Osiris), griechisch in der Erscheinung (Zeus-, Hades- und Asklepioszüge). Ob das eine bewusste „Erfindung“ war oder eine Verstärkung Vorhandenem, wird diskutiert; sicher ist die staatliche Förderung.

Wie neu war die Neuschöpfung?

Serapis gilt als der Musterfall des Synkretismus — und ist zugleich der untypischste. Bei Amun-Re oder Ptah-Sokar-Osiris wachsen zwei bestehende Götter über Jahrhunderte zusammen; hier hat eine Regierung binnen weniger Jahre eine Gestalt eingerichtet. Wer Serapis als Beispiel nimmt, um zu erklären, wie ägyptische Götter verschmelzen, nimmt die Ausnahme für die Regel.

Die Vorstufe war jedenfalls keine Blaupause, sondern ein arbeitender Kult. Osiris-Apis (Wsjr-Ḥp) nahm in Saqqara persönliche Bittschriften entgegen, und zwar nachweislich schon im 6. Jahrhundert v. Chr. — rund zweihundert Jahre vor Ptolemaios I. Eine dieser Bittschriften aus der zweiten Hälfte des Jahrhunderts verzichtet auf jede Begründung und verlangt in kaum mehr als zwei Zeilen Schutz und Vergeltung am Gegner.

Wichtig ist die Unterscheidung, an wen sich das richtete. Gebeten wurde nicht der lebende Apisstier — den befragte man im Orakel —, sondern der verstorbene, verklärte und vergöttlichte Osiris-Apis. Die Bittschriften wurden entsprechend in den Katakomben der heiligen Tiere niedergelegt.

Das verschiebt die Frage nach der ptolemäischen „Erfindung“: Neu war die griechische Gestalt und die staatliche Förderung, nicht der Adressat.

Erfolg und Ende

Serapis wurde im gesamten Imperium populär, mit Heiligtümern von Britannien bis an den Euphrat. Sein Alexandriner Tempel galt als eines der prächtigsten Bauwerke der Welt. 391 n. Chr. wurde er im Zuge der antipaganen Maßnahmen unter Theodosius I. zerstört — ein Datum, das oft als symbolisches Ende der antiken ägyptischen Religion genannt wird, auch wenn Kulte wie in Philae noch anderthalb Jahrhunderte weiterliefen.

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