Königtum, Krieg & SchutzLokal- & Tiergöttermittelmäßig belegt
Mehit
Löwengöttin von This, Gefährtin des Onuris und Verkörperung des zurückgeholten Sonnenauges.

Löwenköpfige Göttinnen sind untereinander kaum zu unterscheiden. Die Bestimmung als Mehit stützt sich auf die Herkunft aus dem Onuris-Schu-Tempel von Sebennytos, nicht auf das Bild; die Sonnenscheibe ist oben angeschnitten.
- Zuständig für
- Krieg, Sonnenauge, Schutz
- Bezeugt
- Frühdynastisch bis Römerzeit
- Kultorte
- This/Thinis bei Abydos, Sebennytos, Edfu (eigene Kapelle im Tempel)
- Familie
- Gemahl: Onuris
Gleichsetzung: Tefnut, Sachmet
Erscheinung
Löwenköpfige Frau mit Sonnenscheibe; ihr frühdynastisches Emblem zeigt einen Stab mit drei nach hinten gebogenen Bögen, dessen Deutung umstritten ist.
Zur Person
Mehit ist die Göttin, die Onuris seinem Namen nach „aus der Ferne zurückbringt“ — sie ist damit die thinitische Fassung der zornigen, nach Nubien entwichenen Sonnenaugengöttin. Ihr Emblem gehört zu den ältesten Kultzeichen Ägyptens und erscheint bereits auf frühdynastischen Objekten, ohne dass sich sicher sagen ließe, was es abbildet.
An ihrem Herkunftsort bleibt sie so eng an Onuris gebunden, dass sich kaum eigenständige Züge fassen lassen. In Edfu ist das anders, und der Unterschied ist der Rest dieses Artikels.
Eine eigene Kapelle in Edfu
Im Horustempel von Edfu gibt es eine Kapelle, deren Weihinschrift sagt, sie enthalte „das Bild der Mehit und der Neunheit, die über Osiris wachen“. Dieses Bild ist die Barke der Mehit; sie ist die Hauptgottheit des Raumes. Cauville nennt ihn deshalb Kapelle der Mehit — Rochemonteix hatte ihn „Kapelle der Zauberin“ getauft, gebräuchlich ist auch „Thronkapelle“, was sich mit zwei anderen Räumen des Tempels verwechseln lässt.
Der Hymnus an diese Barke war der Forschung entgangen. Er steht im Tafelband der Edfu-Publikation statt im Textband und ist deshalb, wie Cauville schreibt, den Ägyptologen sichtbar verborgen geblieben. Die Szene selbst hat keine Parallele: Barken erscheinen sonst im Sanktuar oder in der Festprozession, nicht so.
Was der Türpfosten über sie sagt
Der rechte Türpfosten trägt ihre Titulatur, und die ist die dichteste Beschreibung, die es von ihr gibt:
Mehit, die Große, die in Edfu residiert, deren Flamme groß ist in Behedet des Südens, die die Feinde des Re verzehrt, die Gegner des Horus verbrennt, die Widersacher des Osiris versengt.
Drei Namen, und das ist kein Zufall: Re, Horus und Osiris sind die drei Größen, auf denen die gesamte Theologie des Tempels ruht. Mehit schützt sie alle drei — nicht eine von ihnen als zugeordnete Gefährtin.
Zusammen mit den Aussagen über Nechbet und Horus am selben Eingang ergibt sich ein Bild, das Cauville auf eine Formel bringt: Mehit ist die, die die schädlichen Mächte loslassen und zurückhalten kann. Beides. Nicht nur Abwehr.
An der Südwand steht sie im zweiten Register mit Onuris und Tefnut sowie den vier Uräen — Mehit, Mentyt, Sachmet, Nephthys. Sie erscheint dabei ausschließlich in der südlichen Hälfte der Kapellendekoration.
Der Rausch ohne Reue
In einer Bieropferszene sichert sie dem König „eine Trunkenheit ohne Traurigkeit“ zu. Der Zusatz ist der Witz daran: Sie selbst, „die Ferne“, hat den Katzenjammer gekannt — ihre mythische Trunkenheit war es, die ihrer Wut ein Ende machte. Was sie dem König schenkt, ist die Trunkenheit ohne den Morgen danach.
Mentyt ist nicht Mehit
Der Weihtext nennt Mentyt ausdrücklich eine Erscheinungsform der Mehit: „sie ist Mentyt, das Auge des Re mit der wilden Pupille“. Trotzdem hält Edfu beide auseinander. Mentyt trägt dort den Beinamen „Herrin der Boten“, der Mehit nie zugelegt wird; an der Außenwand des Naos stehen die beiden einander symmetrisch gegenüber. Wer die Namen gleichsetzt, verliert eine Unterscheidung, die die Tempeltheologen selbst gemacht haben.
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