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Netjeru

Nachschlagewerk zum alten Ägypten: Götter, Orte, Objekte und Zeit — 201 Einträge, mit Quellen und Beleglage.

Ort · Oberägyptengut belegt

Athribis (Hut-Repit)

Athribisheute: bei Sohag

Der Tempel der Repit in Oberägypten — und der größte Ostrakonfund Ägyptens, ausgerechnet in einer Abraumhalde von Düngergräbern.

Zeitraum
Ptolemäisch-römisch
Region
Oberägypten
Hauptgottheiten
Repit (griechisch Triphis)
Bauten
Tempel der Repit

Erst einmal: welches Athribis?

Es gibt zwei. Dieser Eintrag betrifft Hut-Repit in Oberägypten, bei Sohag. Das andere Athribis liegt im Delta (Tell Atrib) und ist der Ort des heiligen Stiers Kemwer. Wer in der Literatur „Athribis“ liest, muss die Gegend prüfen — die beiden werden regelmäßig verwechselt.

Die Göttin und ihr griechischer Name

Der Ort gehört der Göttin Repit, die griechisch Triphis heißt. Diese Gleichsetzung ist eine Entdeckung des 19. Jahrhunderts, und zwar eine philologische: 1831 bestimmte Wilkinson die Lesung eines strittigen Zeichens, 1840 gab Letronne die richtige Lesung des Wortes und meldete damit „die Entdeckung einer Göttin Triphis“ — bis dahin war sie unbekannt.

Unter Trajan wurde sie in Panopolis (Achmim) als Gefährtin des Pan verehrt. Der Fall ist ein Lehrstück: Eine Göttin kann jahrhundertelang bezeugt sein und trotzdem der Forschung fehlen, solange ein Zeichen falsch gelesen wird — siehe auch Namenkunde.

Zwölftausend beschriftete Scherben

Seit 2003 arbeitet eine deutsch-ägyptische Mission der Universität Tübingen und des ägyptischen Antikenministeriums unter Leitung von Christian Leitz an dem Ort.

Der Ertrag ist außergewöhnlich: über zwölftausend Ostraka und Krugaufschriften, davon rund 70 Prozent demotisch.

Der Fundort ist eine Zerstörung

Und hier liegt der bemerkenswerteste Umstand. Die Scherben lagen nicht dort, wo sie benutzt wurden, sondern in einer Abraumzone westlich des Repit-Tempels — aufgehäuft von den Sebbach-Gräbern, die Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts die umliegenden Lehmziegelbauten abtrugen und als Dünger verwerteten.

Dieselbe Zerstörung, die den Befund vernichtet hat, hat das Material zusammengetragen. Das ist genau das Muster, das auch Edfu kennzeichnet, wo die Sebbach-Gruben die Schichtenfolge aufgeschnitten und damit lesbar gemacht haben. Was die Ostraka über ihren ursprünglichen Zusammenhang sagen könnten, ist damit allerdings verloren.