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Netjeru

Nachschlagewerk zum alten Ägypten: Götter, Orte, Objekte und Zeit — 201 Einträge, mit Quellen und Beleglage.

Sonne, Himmel & GestirneNil, Ernte & Fruchtbarkeitgut belegt

Sopdet

griechisch Sothis · ägyptisch Spdt

Der Stern Sirius als Göttin; ihr heliakischer Aufgang kündigte die Nilflut und den Jahresbeginn an.

SpdtUmschrift
Zuständig für
Sirius, Jahresbeginn, Nilflut, Zeitrechnung
Bezeugt
1. Dynastie (Elfenbeintäfelchen) bis Römerzeit
Familie
Gefährte: Sah (Orion)
Sohn: Sopdu
Verschmelzung: Isis-Sothis

Erscheinung

Frau mit hohem Stern oder Kegelkopfputz mit Stern; in der Spätzeit auf einem Hund reitend (Verwechslung mit dem Sternbild Großer Hund).

Astronomie und Kalender

Sirius verschwindet rund 70 Tage lang unter dem Horizont und erscheint dann kurz vor Sonnenaufgang wieder — nahezu zeitgleich mit dem Beginn der Nilüberschwemmung. Dieser heliakische Aufgang markierte das ägyptische Neujahr wpt-rnpt. Weil das bürgerliche Jahr mit 365 Tagen rechnete und der Schalttag fehlte, verschob es sich gegenüber dem Sothisjahr um einen Tag alle vier Jahre; nach etwa 1460 Jahren stimmten beide wieder überein („Sothiszyklus“). Antike Notizen über solche Koinzidenzen gehören zu den Ankern der ägyptischen Chronologie — allerdings mit erheblichen Unsicherheiten, weil der Beobachtungsort mitzählt.

Warum ausgerechnet dieser Stern

Sirius ist der hellste Fixstern des Nachthimmels — das allein macht ihn brauchbar. Entscheidend ist aber etwas anderes: Er ist nicht zu verwechseln. Sein Aufgang folgt auf den des Sternbildes Sꜣḥ, das weitgehend dem heutigen Orion entspricht und selbst unübersehbar ist. Wer auf Sah achtet, weiß, worauf er als Nächstes zu warten hat.

Für eine Beobachtung, an der ein ganzes Jahr hängt, ist das der eigentliche Vorzug: Ein heller Stern nützt wenig, wenn man ihn mit einem anderen verwechseln kann.

Ein umstrittener Kalender

Richard Parker hat 1950 vorgeschlagen, der früheste ägyptische Kalender sei lunistellar gewesen: Das Jahr habe mit dem Neumond nach dem heliakischen Aufgang des Sirius begonnen. Damit stünde Sopdet nicht nur am Anfang des Jahres, sondern im Kern des ältesten Zeitsystems überhaupt.

Das ist heute umstritten. Belmonte und Lull halten ein derart ausgefeiltes System für die Frühzeit nicht für plausibel und nehmen an, man habe die Mondmonate schlicht ab der ankommenden Nilflut gezählt. Die Nilflut wäre dann der Bezugspunkt, nicht der Stern.

Beide Rekonstruktionen erklären dasselbe Material verschieden, und keine ist entschieden. Sicher ist nur, was der Eintrag oben sagt: dass der heliakische Aufgang später ein festes Datum im ägyptischen Jahr war.

Als Isis

Ab dem Neuen Reich wird Sopdet weitgehend mit Isis identifiziert, Sah mit Osiris. Damit wird der Sternenhimmel zur Bühne des Osirismythos: Isis-Sothis folgt Osiris-Orion über den Himmel.

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