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Netjeru

Nachschlagewerk zum alten Ägypten: Götter, Orte, Objekte und Zeit — 201 Einträge, mit Quellen und Beleglage.

Lokal- & TiergötterDämonen & MischwesenTotenreich & Osiriskreismittelmäßig belegt

Schesmu

Gott der Öl- und Weinpresse — und damit zugleich der Zerstückelung: Er presst Trauben wie Köpfe.

ŠzmwUmschrift
Zuständig für
Salböl, Wein, Schlachtung, Balsamierungsstoffe
Bezeugt
Pyramidentexte bis Römerzeit
Kultorte
Fayum, Dendera, Edfu
Familie
Zuordnung: Diener des Osiris und des Re

Erscheinung

Mann, teils löwenköpfig, an der Presse; oder mit Presse als Kopfaufsatz.

Zwei Seiten desselben Bildes

Schesmu ist die vielleicht drastischste Gestalt des Pantheons. Im Kannibalenhymnus der Pyramidentexte köpft und presst er die Götter für das Mahl des Königs; im Totenbuch presst er die Feinde des Osiris aus. Zugleich ist er der Herr des wohlriechenden Salböls und des Weins, beides unentbehrlich für Kult und Bestattung. Die Verbindung ist nicht paradox, sondern anschaulich: Die Presse gewinnt Kostbares durch Zerquetschen. Ägyptische Bildlogik denkt vom Vorgang her, nicht von der Stimmung.

Beide Seiten in einer Person, belegbar

Die Doppelrolle lässt sich an zwei Stellen festmachen, die dieselbe Handlung meinen.

Auf der einen Seite bringt Schesmu dem Osiris den Wein. Die Pyramidentexte sagen es wörtlich: „Schesmu kommt zu dir, Wein tragend“ (Spruch 581). Auf der anderen Seite zeigen ihn Darstellungen, wie er mit derselben Presse das Blut der Feinde auspresst.

Das ist kein Widerspruch, sondern ein Wortspiel im Bild. Was aus der Presse läuft, ist rot — Traubensaft wie Blut. Die Forschung sieht darin einen bewussten Anklang, und da die Gleichsetzung von Wein und Blut auch außerhalb Ägyptens verbreitet ist, spricht wenig dagegen, sie hier ebenfalls anzunehmen.

Wein als Grünes Horusauge

Die Opferliturgien geben dem Wein eine feste Deutung: Er ist das „Grüne Auge des Horus“ — also die Kraft der Verjüngung.

Damit steht Schesmus Erzeugnis in derselben Reihe wie andere Kultflüssigkeiten, die über das Horusauge gedeutet werden: Milch heißt das weiße Auge und reinigt, Wein das grüne und verjüngt. Die Farbe der Flüssigkeit trägt jeweils die Aussage.

Ins selbe Feld gehört, dass Hathor-Sachmet in den ptolemäischen und römischen Tempeln „Herrin der Trunkenheit“ heißt — ein Beiname, der gewöhnlich auf die Vernichtung der Menschheit bezogen wird, wo rot gefärbtes Bier die Löwengöttin besänftigt. Rote Flüssigkeit, die zugleich Rausch und Rettung ist: Schesmu bedient dieselbe Vorstellung von der Herstellungsseite her.

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