Königtum, Krieg & SchutzLokal- & Tiergöttermittelmäßig belegt
Mahes / Mihos
griechisch Mihos · ägyptisch Mꜣj-ḥsꜣ
„Wilder Löwe“ — löwengestaltiger Sohn der Bastet, Wächter der heiligen Orte und Beschützer des Königs im Kampf.
- Zuständig für
- Krieg, Schutz der Tempel, Strafe
- Bezeugt
- Neues Reich bis Römerzeit
- Kultorte
- Leontopolis (Tell el-Muqdam), Bubastis, Taremu
- Familie
- Mutter: Bastet (Leontopolis) bzw. Sachmet (Memphis)
Vater: Ptah oder Re
Erscheinung
Löwenköpfiger Mann mit Atef-Krone oder Doppelfeder, oft mit Messer; manchmal einen Gefangenen packend.
Zur Person
Mahes ist ein später, aber gut belegter Löwengott mit deutlich aggressiver Prägung: „Herr des Gemetzels“, „der mit dem schrecklichen Blick“. In Leontopolis hielt man lebende Löwen im Tempel — Aelian berichtet noch in der Kaiserzeit davon. Möglich ist ein Einfluss aus Nubien; der Löwengott Apedemak der meroitischen Kultur zeigt ähnliche Züge, ein direkter Zusammenhang ist aber nicht belegt.
Sein Name ist zugleich eine Beschreibung
Mꜣj-ḥsꜣ heißt „grimmiger Löwe“. Das ist kein Beiname, sondern der Name selbst — und deshalb ist bei jedem Beleg zu entscheiden, ob der Gott gemeint ist oder das Adjektiv. Eicke führt das an einem Text aus Kom Ombo vor: Dieselbe Zeichenfolge jr mꜣj ḥsꜣ … lässt sich lesen als „Bezüglich des grimmigen Löwen …“ oder als „Bezüglich des Mahes …“. Beides ist möglich; der Text entscheidet es nicht.
Eindeutig wird es dort, wo eine Filiation danebensteht. In Dendera erscheint neben „Nefertem, Sohn der Sachmet“ auch Mꜣj-ḥsꜣ sꜣ Bꜣstt, „Mahes, der Sohn der Bastet“ — hier ist er zweifelsfrei eigene Gottheit, nicht Eigenschaft.
Nebenbei berührt das die Datierung oben: Eicke nennt ihn „seit dem Alten Reich belegt“, während dieser Eintrag mit dem Neuen Reich einsetzt. Die Spannung hängt an derselben Frage — ob eine frühe Nennung des „grimmigen Löwen“ schon den Gott meint.
Ein Löwengott, der nicht Mahes ist
In Kom Ombo ist ein P(ꜣ)-mꜣj-ʿnḫ, „der lebende Löwe“, bezeugt. Die Versuchung, ihn mit Mahes gleichzusetzen, ist groß — Eicke weist sie zurück. Ein eigener Kult für einen Löwengott dieses Namens, eng mit den ptolemäischen Königen verbunden, ist zwar durch Stelen aus Leontopolis bekannt, also aus Mahes' Kultort; dem Hymnus aus Kom Ombo fehlt aber der funeräre Bezug, der jene Stelen kennzeichnet. Eine Verbindung zu Mahes lässt sich allein aus ihm nicht herstellen. Denselben Beinamen „der lebende Löwe“ trägt zudem Arensnuphis von Philae.
Das ist der brauchbare Befund: Drei Orte, fast gleichlautende Löwenbezeichnungen — und daraus wird kein einziger Gott. Wer Löwengötter über ihre Epitheta zusammenzieht, zieht zusammen, was die Ägypter getrennt hielten.
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