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Netjeru

Nachschlagewerk zum alten Ägypten: Götter, Orte, Objekte und Zeit — 201 Einträge, mit Quellen und Beleglage.

Ort · Nubienmittelmäßig belegt

Sanam (Sanam Abu Dom)

heute: Merawi

Königsstadt der frühen Kuschitenzeit am Vierten Katarakt — und die seltene Gelegenheit, in Nubien einmal nicht auf einen Königsfriedhof zu blicken.

Zeitraum
ca. 750–580 v. Chr. (Piankhi bis Aspelta)
Region
Nubien
Hauptgottheiten
Amun
Bauten
Amun-Tempel des Taharqo · Verwaltungsbauten („Treasury“) · Friedhof

Eine Stadt, kein Grab

Sanam liegt beim heutigen Dorf Merawi, flussabwärts vom Vierten Katarakt. Der Ort war eine Königsstadt der Mitte des ersten Jahrtausends v. Chr. und ein Zentrum der kuschitischen Könige der frühen und mittleren Napata-Zeit — von Piankhi bis Aspelta, ca. 750–580 v. Chr.

Zum Ort gehören drei Teile: ein Tempel, königliche Verwaltungsbauten (meist „Treasury“ genannt) und ein Friedhof.

Warum das methodisch zählt

Hier liegt der eigentliche Wert des Platzes, und er ist ein Gegengewicht. Die nubische Archäologie ist von Königsfriedhöfen überrepräsentiert — el-Kurru, wo die frühen napatanischen und die Könige der 25. Dynastie bestattet sind, Nuri, wo Taharqo und die mittleren und späten napatanischen Könige liegen.

Sanam liefert dagegen Daten über Arbeit und über Nichtkönigliches. Wer wissen will, wie in dieser Zeit gelebt und gearbeitet wurde, ist auf solche Plätze angewiesen — und es gibt wenige.

Trotzdem ist der Ort selten gewürdigt worden. Der Grund liegt nicht am Befund, sondern an der Grabungsgeschichte: Er wurde früh und schlecht dokumentiert ausgegraben. Als Griffith dort arbeitete, hatte Reisner seine noch laufenden Grabungen an den kuschitischen Königsfriedhöfen nicht veröffentlicht — man wusste also kaum, womit man es zu vergleichen hatte. Griffiths Abraumhalden sind rings um den Bau bis heute zu sehen.

Der Tempel

Der Amun-Tempel des Taharqo hat ein Pylontor, das nach Westen zum Fluss ausgerichtet ist. Nördlich und nordöstlich davon liegen die Reste der „Treasury“ und der übrigen Verwaltungsbauten.

Damit ist Sanam ein Ort, an dem Kult und Verwaltung nebeneinander liegen — und beides gehört demselben Herrscher, der in Ägypten als Pharao der 25. Dynastie regierte.