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Netjeru

Nachschlagewerk zum alten Ägypten: Götter, Orte, Objekte und Zeit — 201 Einträge, mit Quellen und Beleglage.

Zeit · Epochegut belegt

Meroitische Zeit

Die zweite Phase des kuschitischen Reichs — und die einzige Epoche dieses Wikis, die überwiegend nach Christus liegt.

Zeitraum
3. Jh. v. Chr. bis Mitte des 4. Jh. n. Chr. (Kuckertz)
Art
Epoche

Zwei Phasen, nicht eine

Kuckertz unterscheidet für das kuschitische Reich im heutigen Sudan zwei Phasen:

Phase Zeitraum
Napata-Zeit ca. 655–300 v. Chr.
Meroitische Zeit 3. Jh. v. Chr. bis Mitte des 4. Jh. n. Chr.

Die meroitische Phase reicht damit rund 650 Jahre und endet, als in Ägypten längst das christliche Zeitalter begonnen hat. Sie ist der einzige Zeitabschnitt in diesem Wiki, der überwiegend nach Christus liegt.

Das Verhältnis zu Ägypten

Zu den letzten Ptolemäern war es offenbar nicht feindlich. Kuckertz stützt das auf einen bemerkenswerten Umstand: Kaisarion, Kleopatras Sohn und Erbe, versuchte nach Aithiopien zu fliehen.

Wer wohin flieht, sagt etwas über die Beziehungen — man flieht nicht zu Feinden.

In Meroe und am Gebel Barkal entstanden oder wurden Tempel ausgestattet; vor dem Amun-Tempel stand eine große Stele, die offenbar von kriegerischen Auseinandersetzungen berichtet. Freundschaft und Konflikt schließen sich also nicht aus — beides ist für dieselbe Zeit bezeugt.

Drei Unterphasen und ein Umzug der Gräber

Die meroitische Zeit selbst wird in Früh-, Mittel- und Spätphase unterteilt.

Sichtbar wird der Beginn an einem Friedhofswechsel. König Amanitekha verlegte die königliche Bestattung in die Nördliche Königsnekropole von Begarawiya („Beg N"). Von den 41 Pyramidengräbern dort gehören mindestens zwei Prinzen und eines einer nicht regierenden Königin; viele lassen sich keinem Namen zuordnen.

Was über diese Gräber bekannt ist, geht wesentlich auf George A. Reisner zurück, der sie zwischen 1916 und 1923 ausgrub und auswertete.

Elefanten, und warum der Handel endete

Ein Randbefund, der die politische Lage besser erklärt als manche Urkunde: Die Ptolemäer sicherten sich Jagd und Handel mit afrikanischen Elefanten; die Tiere kamen vor allem aus dem Hinterland der Rote-Meer-Küste und wurden über eine Kette von Häfen verschifft.

Der Handel überdauerte das 3. Jahrhundert v. Chr. kaum — und der Grund ist militärisch: Ptolemaios' IV. knapper Sieg bei Raphia 217 v. Chr. zeigte, dass die kleineren afrikanischen Elefanten für die Schlacht nicht taugten.

Warum die Epoche hierhergehört

Ägypten endet an seiner Südgrenze nicht. Der Dodekaschoinos, der Streifen zwischen erstem und zweitem Katarakt, ist über Jahrhunderte gemeinsamer Raum — el-Dakka zeigt einen Tempel, den ein Ptolemäer begann und ein meroitischer König dekorieren ließ. Und Sanam liefert für die vorangehende Napata-Zeit das, was in Nubien selten ist: Befunde, die nicht aus einem Königsfriedhof stammen.