Lokal- & TiergötterSonne, Himmel & Gestirnemittelmäßig belegt
Mnevis
griechisch Mnevis · ägyptisch Mr-wr
Der schwarze heilige Stier von Heliopolis, lebendes Bild des Re-Atum.
- Zuständig für
- Sonnenkult, Orakel
- Bezeugt
- sicher belegt ab dem Neuen Reich, möglicherweise früher; bis in die Römerzeit
- Kultorte
- Heliopolis
- Familie
- Zuordnung: Ba des Re-Atum
Mutter: Hesat
Erscheinung
Schwarzer Stier mit Sonnenscheibe und Uräus zwischen den Hörnern.
Zur Person
Mnevis verhält sich zu Re wie Apis zu Ptah. Auffällig ist, dass selbst Echnaton, der praktisch alle Kulte abschaffte, den Mnevis ausdrücklich weiter zulassen wollte — auf einer Grenzstele von Amarna kündigt er ein Grab für den Stier in seiner neuen Stadt an. Das zeigt, wie tief die Verbindung von Sonnenkult und Stierverehrung reichte.
Wie alt der Kult ist
Hier ist Vorsicht geboten. Populäre Darstellungen setzen Mnevis ins Alte Reich, und die Versuchung ist verständlich: In den Pyramidentexten kommt die Wendung „Stier von Heliopolis“ vor, und Heliopolis ist sein Ort. Der Schluss ist aber nicht zwingend — die Wendung muss nicht diesen bestimmten Stierkult meinen.
Was sich fassen lässt, ist jünger. Mit Sicherheit ist Mnevis erst ab dem Mittleren Reich bezeugt; Dodson führt ihn nach Gräbern und Denkmälern des Neuen Reichs. Gefunden wurden bisher nur zwei Mnevis-Bestattungen, unter Ramses II. und Ramses IV.
Drei Stiere, drei verschiedene Alter
Die drei gut bezeugten Stierkulte werden gern als Trias behandelt, als wären sie gleich alt. Sie sind es nicht:
| Stier | zugeordnet | frühester Beleg |
|---|---|---|
| Apis | Ptah | 1. Dynastie (Schale mit dem Namen des Horus Aha) |
| Mnevis | Re | Mittleres Reich sicher, Neues Reich fassbar |
| Buchis | Month | Ende der Spätzeit |
Zwischen dem ersten und dem letzten liegen fast drei Jahrtausende. Mnevis steht in der Mitte, und das passt zum Bild: Der Sonnenkult von Heliopolis ist uralt, seine Bindung an ein bestimmtes lebendes Tier offenbar nicht.
Und es waren nicht nur drei. Dodson nennt weitere heilige Stiere — Bata von Kynopolis, Kemwer von Athribis, Hesbu im 11. oberägyptischen Gau und den Siankh, der allein vom Palermostein bekannt ist, wo sein „Lauf“ unter Ninetjer verzeichnet steht. „Die drei Stierkulte“ heißt also: die drei, von denen genug erhalten ist.
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