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Netjeru

Nachschlagewerk zu den Göttern und Mythen des alten Ägypten — 134 Einträge, mit Quellen und Beleglage.

Lokal- & TiergötterSonne, Himmel & Gestirnemittelmäßig belegt

Mnevis

griechisch Mnevis · ägyptisch Mr-wr

Der schwarze heilige Stier von Heliopolis, lebendes Bild des Re-Atum.

Mr-wrUmschrift
Zuständig für
Sonnenkult, Orakel
Bezeugt
sicher belegt ab dem Neuen Reich, möglicherweise früher; bis in die Römerzeit
Kultorte
Heliopolis
Familie
Zuordnung: Ba des Re-Atum
Mutter: Hesat

Erscheinung

Schwarzer Stier mit Sonnenscheibe und Uräus zwischen den Hörnern.

Zur Person

Mnevis verhält sich zu Re wie Apis zu Ptah. Auffällig ist, dass selbst Echnaton, der praktisch alle Kulte abschaffte, den Mnevis ausdrücklich weiter zulassen wollte — auf einer Grenzstele von Amarna kündigt er ein Grab für den Stier in seiner neuen Stadt an. Das zeigt, wie tief die Verbindung von Sonnenkult und Stierverehrung reichte.

Wie alt der Kult ist

Hier ist Vorsicht geboten. Populäre Darstellungen setzen Mnevis ins Alte Reich, und die Versuchung ist verständlich: In den Pyramidentexten kommt die Wendung „Stier von Heliopolis“ vor, und Heliopolis ist sein Ort. Der Schluss ist aber nicht zwingend — die Wendung muss nicht diesen bestimmten Stierkult meinen.

Was sich fassen lässt, ist jünger. Mit Sicherheit ist Mnevis erst ab dem Mittleren Reich bezeugt; Dodson führt ihn nach Gräbern und Denkmälern des Neuen Reichs. Gefunden wurden bisher nur zwei Mnevis-Bestattungen, unter Ramses II. und Ramses IV.

Drei Stiere, drei verschiedene Alter

Die drei gut bezeugten Stierkulte werden gern als Trias behandelt, als wären sie gleich alt. Sie sind es nicht:

Stier zugeordnet frühester Beleg
Apis Ptah 1. Dynastie (Schale mit dem Namen des Horus Aha)
Mnevis Re Mittleres Reich sicher, Neues Reich fassbar
Buchis Month Ende der Spätzeit

Zwischen dem ersten und dem letzten liegen fast drei Jahrtausende. Mnevis steht in der Mitte, und das passt zum Bild: Der Sonnenkult von Heliopolis ist uralt, seine Bindung an ein bestimmtes lebendes Tier offenbar nicht.

Und es waren nicht nur drei. Dodson nennt weitere heilige Stiere — Bata von Kynopolis, Kemwer von Athribis, Hesbu im 11. oberägyptischen Gau und den Siankh, der allein vom Palermostein bekannt ist, wo sein „Lauf“ unter Ninetjer verzeichnet steht. „Die drei Stierkulte“ heißt also: die drei, von denen genug erhalten ist.

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